Der Hauptteil des ersten Satz entführt Violine und Violoncello feurig ins höchste Register, was Lilian Heere (Violine), Jan Pas (Violoncello) und Stefano Vismara (Klavier) eindringlich betonten. Crescendi und Diminuendi der Streicher wechselten sich in reizvoller Weise ab, gefolgt von langen und eindringlich musizierten Legatobögen. Die Moll-Harmonien des Klaviers ergänzten dann die dynamisch differenzierten Passagen, die sich immer weiter verfeinerten. Vor allem die vollendete Form und die großen melodischen Bögen wuchsen ganz zusammen.
Von dem Schweizer Komponisten Ernest Bloch war dann das "Poeme mystique" als Violinsonate Nr. 2 mit den hervorragenden Solisten Muriel Bardon (Violine) und Yujin Bae (Klavier) zu hören. Eine impressionistische Klangfärbung stach bei dieser leidenschaftlichen Wiedergabe deutlich hervor. Meditative und expressive Passagen ergänzten sich. Jüdische Melodien und Synagogengesänge mit gregorianischen Chorälen der frühchristlichen Kirche traten in geheimnisvoller Weise hervor. Das Stück ist ein Traum davon, wie die Welt sein soll. Und voller Poesie wurde es hier auch interpretiert. Das Klavier mit seinen Quintolen und Quartolen begleitete die Streicher präzise, "Animato"-Abschnitte imponierten mit enorm gesteigerten Tempi der rhythmischen Figuren. Das Klavier spielte auch ein "Gloria in excelsis Deo", das die Pianistin Yujin Bae sehr einfühlsam akzentuierte. So erhielt dieses Werk einen unverkennbar bekenntnishaften Charakter. Viele amerikanische Tonschöpfer waren übrigens Blochs Schüler.
Rumänische Folklore und dezenter Neoklassizismus triumphierten beim Oktett für Streicher in C-Dur op. 7 aus dem Jahre 1900 von George Enescu, das dieser als 19jähriger Student schrieb. Dieses Werk besitzt einen erstaunlich sinfonischen Zuschnitt. Kontrapunktische Finessen finden sich zuhauf. Überlagerungen, Imitationen, Kanons, Zwei- und Mehrstimmigkeit, Augmentationen sowie Diminutionen wirkten bei dieser Wiedergabe durch Musiker des Staatsorchesters Stuttgart ausgesprochen lebendig und erfrischend. Vor allem der Durchführungsteil besaß eine enorme klangtechnische Prägnanz und Originalität. Die melodischen Themen sprachen den Hörer unmittelbar an. Das Hauptmotiv mit Sext- und Terzsprung wirkte fast atemlos. Im zweiten Satz faszinierten wieder der Unisono-Einsatz der Instrumente und die großen Intervallsprünge. Nicola Lolli (Violine), Veronika Unger (Violine), Muzi Li (Violine), Annette Köhler (Violine), Madeleine Przybyl (Viola), Jan Melichar (Viola), Zoltan Paulich (Violoncello) und Olivier Marger (Violoncello) verdeutlichten die klangliche Wucht dieser Komposition ausgezeichnet. Der E-Dur-Akkord des dritten Satzes besaß Cello-Magie und erschien als mysteriöses Nachtstück. Er habe eine Abneigung gegen alles, was stagniere, meinte Enescu selbst. Für ihn sei Musik kein Zustand, sondern eine Handlung. Diese Tatsache merkte man dieser einfühlsamen, hervorragenden Wiedergabe an. Diese Überlagerung von Melodien hinterließ einen starken Eindruck.
Viele "Bravo"-Rufe im Publikum!

