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"Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach im Stadttheater Bern. -----

Premiere 29. Dezember 2011, 19.30 Uhr, Stadttheater. -----

Um Schein und Sein geht es in der Operette grundsätzlich – und in diesem brillanten französischen Offenbach-Exemplar insbesondere. Viel glatte Oberfläche und unangreifbare Mythologie verhüllen doch weniger als sie blossstellen: die Doppelmoral der tugendhaften Gesellschaft.

Das irdische Durchschnittsehepaar Orpheus und Eurydike wäre froh, einander endlich los zu sein. Daneben agieren im Olymp als Wächter über Recht und Ordnung: der lüsterne Göttervater Jupiter, der jedem Rock nachstellt, seine eifersüchtige Gattin Juno, Pluto, der, um seine eigenen Übergriffe zu

kaschieren, eine Meuterei gegen den Chef anzettelt, kurz: eine Herrscherriege korrumpierter Amtspersonen. Allen voran greift die bpersonifizierte Allmacht der «Öffentlichen Meinung» höchstpersönlich in das Stück ein. Szenen einer Ehe bei Göttern und Menschen, geprägt von

Langeweile und Seitensprüngen, Vergnügungssucht und Versagensängsten, Lug, Trug und Bestechlichkeit. Eine schadenfrohe Alltagspersiflage, in der der irdische «Prinz von Arkadien» und seine blonde Venus, verfolgt von der göttlichen Führungsetage, in der Offenbachschen Unterwelt landen. Dieser Höllenstrudel entpuppt sich jedoch als hochwillkommene Alltagsflucht, ein Ausbruch aus der mühsam aufrecht erhaltenen Fassade von Familienehre und Vaterlandstreue.

Was heute so selbstverständlich erscheint, markierte im Jahr 1858 den beispiellosen Durchbruch zu einer neuen Form des Musiktheaters. Orpheus in der Unterwelt war die Geburtsstunde der Operette – und rettete gleichzeitig Offenbachs Stellung als Theaterdirektor in Paris. Orientiert an der opéracomique geht Offenbach mit den Librettisten Crémieux und Halévy weit über das bis dahin vorherrschende Sprechtheater hinaus.´Neben seinen mitreißenden, tänzerisch wirbelnden Melodien – der Cancan fand dank Offenbachs Durchsetzungsvermögen auf die Theaterbühne – bildete auch sein Gespür für das Burlesk-Komische, für pikante Situationen und zeitgenössische Satire die Grundlage des Erfolgs. Noch heute reizt die Vermenschlichung der Götter mit all ihren Schwächen und Begierden. Sie unterscheiden sich schließlich nicht allzu sehr von uns Sterblichen …

Musikalische Leitung Dorian Keilhack

Inszenierung Laura Scozzi

Bühne Juliette Blondelle

Kostüme Jean-Jacques Delmotte

Choreographieassistenz Olivier Sferlazza

Eurydike Anne-Florence Marbot

Jupiter Armand Arapian

Orpheus Andries Cloete

Die öffentliche Meinung Claude Eichenberger

Cupido Stephanie Ritz

Juno Fabienne Jost

John Styx Jan-Martin Mächler

Aristeus / Pluto Matthias Grätzel

Diana Rebekka Maeder

Venus Lisa Wedekind

Merkur Tomi Kuusisto

Chor des Stadttheaters Bern

Ballett des Stadttheaters Bern

Berner Symphonieorchester

Weitere Vorstellungen: 31. Dezember 2011 // 10./14./ 27. Januar // 17./19./21./25.

Februar // 20./31. März // 04./14./22. April 2012

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