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IM REICH DER RHEINMÄRCHEN -- Stuttgarter Philharmoniker mit Lise de la Salle im Forum am Schlosspark LUDWIGSBURG

am 8.2.2025

ALEXANDER WALTHER 09.02.2025
Kategorien: Kritiken, Deutschland, Oper

Es war eine besondere Begegnung von Robert Schumann und Franz Liszt, die sich persönlich gut kannten. Unter der temperamentvollen Leitung von Jan Willem de Vriend (derzeit Chefdirigent des Wiener Kammerorchesters) erklang zunächst höchst eindringlich Robert Schumanns Ouvertüre zu Lord Byrons "Manfred" in es-Moll op. 115. Schumann versetzt sich damit fasziniert in Manfreds düstere Empfindungswelt. Es ist ein beeindruckendes Selbstporträt. Es greift keine Einzelheiten der Handlung auf, sondern konzentriert sich auf das erschütternde Seelengemälde des Helden.

© Forum am Schlosspark Ludwigsburg, Lise de la Salle

Dieser Hamlet der Romantik wurde von den Stuttgarter Philharmonikern  unter Jan Willem de Vriend ausgezeichnet porträtiert. Die zwiespältige Zerrissenheit zwischen vernünftiger Entschlossenheit und gefühlvoll-verträumtem Zaudern zeigte dabei viele Klangfacetten. Wie viel diese Ouvertüre über Kunst und Wesen Schumanns aussagt, machten die Stuttgarter Philharmoniker an diesem Abend einmal mehr deutlich.

Die französische Pianistin Lise de la Salle war anschließend die hervorragende Solistin bei Franz Liszts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in Es-Dur, wobei sie von den Stuttgarter Philharmonikern unter Jan Willem de Vriend einfühlsam begleitet wurde. Diese Fantasie mit gelegentlichen Seitenblicken auf den Ablauf der Sonate konnte sich eindringlich entfalten. Der erste Satz "Allegro maestoso" behauptete  sich mit seinem strapazierten Kopfthema und dem scharfen Rhythmus in bewegender Weise. Die grandiose Kadenz des Klaviers meisterte Lise de la Salle mit überragendem technischen Können, das höchster Virtuosität freien Lauf ließ. Lyrisch weiche Melodien versuchten sich dabei berührend gegen den hartnäckigen Rhythmus des Kopfthemas durchzusetzen. Erst gegen Schluss beruhigte sich der trotzige Starrsinn. Beim zweiten Adagio-Satz beschwor Lise de la Salle schwärmerische Poesie und leidenschaftliche Ausbrüche. Das Klavier schien stellenweise zu singen. Unter langen Klaviertrillern stifteten die Soli der Holzbläser Frieden. Mit duftiger  Instrumentation kam das Scherzo Allegretto vivace daher. Die Überleitung zum Finale Allegro marziale animato griff deutlich auf den ersten Satz zurück. Mit ungestüm akzentuiertem Rhythmus setzte sich das Kopfthema wieder durch. Dann eröffnete ein eigenwillig verspielter Marsch den Satz - und bald klangen alle früheren Themen wieder in wunderbarer Weise an. Der "Maestoso"-Grundzug des Werkes wurde von Lise de la Salle brillant und prunkvoll ausgespielt.

Zuletzt erklang dann in einer mitreissend-begeisternden Interpretation die Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur op. 97 "Rheinische" von Robert Schumann.  Dabei schien stellenweise rheinischer Humor tatsächlich mitzuklingen. Das Kopfthema des ersten Satzes sprühte vor Vitalität und Klangzauber. Auch das gefühlvoll musizierte zweite Thema schien bei den Stuttgarter Philharmonikern unter Jan Willem de Vriend enge Beziehungen zu den Rheinländern zu besitzen.  Es beherrschte lange und bedeutungsvoll die Durchführung. Das Prinzip der Variation blitzte in beglückender Weise beim volkstümlich-tanzseligen Thema des Scherzos auf. Über das Variationsschema setzten sich die Hörner hinweg; es behauptete sich in der folgenden Variation als Gegenstimme. Zart und innig führte bei dieser exzellenten Interpretation die weiche Klarinetten-Melodie den dritten Satz ins Reich der Rheinmärchen. Bezaubernde Klangwirkungen schufen eine innige Atmosphäre, deren Intensität ständig zunahm. Feierlich hob dann der vierte Satz an, zu dem Schumann durch das Erlebnis einer Kardinals-Inthronisation angeregt wurde. Die hallende Weihe kam in berührender Weise zum Vorschein, majestätische Bläserchöre unterstrichen nicht übertrieben den Prunk der Zeremonie. Die Bläser der Stuttgarter Philharmoniker agierten ausgesprochen klangschön. Das buntbewegte Finale mit seinem marschartig-munteren Thema schloss sich rasant an. Es wirkte nicht übermäßig frisch, hielt aber das Geschehen im Fluss. Die Coda ließ in ergreifender Weise das Bläserthema aus dem vorigen Satz wiederkehren.

Viele "Bravo"-Rufe.
 

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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