Logo of theaterkompass.de
HomeBeiträge
"Häuptling Abendwind", Buffo-Operette von Jacques Offenbach - Semperoper Junge Szene in Dresden"Häuptling Abendwind", Buffo-Operette von Jacques Offenbach - Semperoper..."Häuptling Abendwind", ...

"Häuptling Abendwind", Buffo-Operette von Jacques Offenbach - Semperoper Junge Szene in Dresden

Premiere am Freitag, 14. Dezember 2018 um 18 Uhr in Semper Zwei.

Eine Südseeinsel voller Kannibalen: Häuptling Abendwind hat Biberhahn, den Häuptling des Nachbarstammes, zu einem Festmahl eingeladen, um mit ihm über Staatsgeschäfte zu verhandeln. Nun fehlt nur noch eine adäquate Hauptspeise. Da kommt ihm der schiffbrüchige junge Mann, den er in Gesellschaft seiner Tochter Atala vorfindet, gerade recht. Atala aber hat sich bereits in den Fremden verliebt und er sich auch in sie. Dennoch: Gastfreundschaft geht vor, der Fremde muss gegessen werden! Während des Essens hält Häuptling Biberhahn plötzlich für seinen Sohn Arthur, der jeden Moment auf der Insel eintreffen müsste, um Atalas Hand an. Hat Abendwind etwa gerade seinen zukünftigen Schwiegersohn verspeist?

 

Spannung, Humor und Herz sind die Zutaten dieses ungewöhnlichen Festmahls. Daran hätte sicher auch der »Winnetou«-Autor Karl May seine Freude gehabt. Unter dem gesellschaftspolitisch fragilen Eindruck des französischen Second Empire mit seiner sich neu differenzierenden Klassenhierarchie schuf der musikalische Karikaturist Offenbach diesen Einakter, der unter dem Titel »Vent du soir ou l'horrible festin« mit den Texten von Philippe Gille und Leon Battu in Paris 1857 uraufgeführt wurde.

»Häuptling Abendwind« ist eine echte Politsatire, entstanden in der Zeit, in der Napoleon III. die Republik Frankreich (wieder) in ein Kaiserreich überführte. Über 50 musikalische Einakter mit witzigem, zum Teil bizarren Inhalt und zeitkritischen Tendenzen komponierte Offenbach immer wieder vor, zwischen oder neben seinen abendfüllenden Operetten. Die absurde Verlegung dieser geistreichen Darstellung politischer Willkür in einen wilden Kulturkreis, kombiniert mit Offenbachs schmissiger Musik, traf genau den Nerv des Pariser Uraufführungs-Publikums und ist bis heute aktuell.

Die Dramaturgin Bettina Bartz hat eine neue, zeitgenössische Fassung geschrieben, die in Dresden zur Aufführung kommt. Sie passte das Ursprungswerk  dem heutigen Zeitgeschehen an. Die eingängigen Melodien und die bizarren Einfälle geben der auf den ersten Blick simplen Geschichte viel Würze - nicht ohne auch einen feinherben Nachgeschmack zu hinterlassen, der zum Nachdenken anregt.

    Musikalische Leitung Thomas Leo Cadenbach
    Inszenierung Manfred Weiß
    Bühnenbild & Kostüme Timo Dentler, Okarina Peter
    Licht Marco Dietzel
    Dramaturgie Kai Weßler

    Häuptling Abendwind der Sanfte Chao Deng
    Atala Tahnee Niboro
    Biberhahn der Heftige Jürgen Müller
    Arthur, ein Fremdling Johannes Richter
    Köchin Christiane Hossfeld

Giuseppe-Sinopoli-Akademie

Weitere Vorstellungen am 16. und 17. Dezember 2018 sowie am 16., 19., 21., 23., 25., 26. Januar 2019.

Karten für alle Vorstellungen sind an der Schinkelwache am Theaterplatz (T +49 (0)351 4911 705) und online erhältlich.

 

 

Weitere Informationen zu diesem Beitrag

Lesezeit für diesen Artikel: 13 Minuten



Herausgeber des Beitrags:

Kritiken

KOMPAKTES KLANGBILD -- Neue CD: Anton Bruckners Sinfonie Nr. 1 in c-Moll bei Capriccio

Die genetische Themenaufstellung sticht schon bei Anton Bruckners erster Sinfonie in c-Moll deutlich hervor, die hier mit dem Bruckner Orchester Linz unter der kompetenten Leitung von Markus Poschner…

Von: ALEXANDER WALTHER

STARKE BILDER AM WELTENDE -- Richard Wagners "Götterdämmerung" als Live-Stream aus der Oper ZÜRICH

In der Inszenierung von Andreas Homoki spielt ein gold-weiß gehaltenes, klassizistisches Ambiente eine große Rolle (Ausstattung: Christian Schmidt). Der Zuschauer befindet sich in einer…

Von: ALEXANDER WALTHER

FEUER UND GRANDEZZA -- Wiener Philharmoniker in der Waldbühne Berlin via 3sat

Es war eine besondere Premiere - zum ersten Mal musizierten die Wiener Philharmoniker unter der präzisen Leitung von Riccardo Muti in der Waldbühne Berlin. Gleich bei der Ouvertüre zu Giuseppe Verdis…

Von: ALEXANDER WALTHER

ZWISCHEN REVOLUTION UND AUFKLÄRUNG - Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" (Libretto: Emanuel Schikaneder) mit dem Pfalztheater Kaiserslautern im Theater Heilbronn

Kinder spielen in dieser ungewöhnlichen Inszenierung von Pamela Recinella (Bühne und Kostüme: Jason Southgate) eine große Rolle. Gleich bei der Ouvertüre spielen Pamina als Mädchen und Tamino als…

Von: ALEXANDER WALTHER

IMPRESSIONEN AUS DER SCHWEIZ -- "Monte Rosa" von Teresa Dopler im Studiotheater STUTTGART

Es ist eine Geschichte aus dem Schweizer Alpenmassiv, ein Stimmungsmoment zwischen Gesteinsschichten und Gletscherspalten: "Das ganze Matterhorn hat sich im See gespiegelt." In der Regie von Daniela…

Von: ALEXANDER WALTHER

Alle Kritiken anzeigen

folgen Sie uns auf

Theaterkompass

Der Theaterkompass ist eine Plattform für aktuelle Neuigkeiten aus den Schauspiel-, Opern- & Tanztheaterwelten in Deutschland, Österreich und Schweiz.

Seit 2000 sorgen wir regelmäßig für News, Kritiken und theaterrelevante Beiträge.

Hintergrundbild der Seite
Top ↑