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"Eine starke Frau" -- Die Königin von Saba von Charles Gounod in der Deutschen Oper am Rhein

Premiere Fr 15.05.2026 – 19.30 Uhr – Opernhaus Düsseldorf

Geschrieben von Dagmar Kurtz

Es gibt noch viel wiederzuentdecken in der Opernwelt. So eine Entdeckung ist jetzt in der Deutschen Oper am Rhein zu hören, es handelt sich um Charles Gounods "Die Königin von Saba". Kleiner Wehrmutstropfen für alle, die eine opulente Ausstattung schätzen: es handelt sich um eine konzertante Aufführung.

© Jochen Quast

"La Reine de Saba" ist Gounods siebte Oper, die drei Jahre nach seinem fulminanten "Faust" 1862 uraufgeführt wurde, der bereits vor einigen Jahren in der Rheinoper zu sehen war. Sie gehört zu den Grand Opéra und entsprach mit ihrem exotischen Stoff, mit spektakulären Bühneneffekten und monumentaler Architektur eigentlich ganz dem Zeitgeschmack des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III. Jedoch das Thema selbst und Gounods ungewohnter, subtiler Versuch, in seiner Musiksprache eine tiefere Brandbreite von feineren Gemütszuständen und Emotionen auszuloten, ließ die Oper beim Publikum scheitern.

Als Vorlage für das Libretto diente eine Episode aus Gérard de Nervals "Voyage en Orient", sie verbindet den biblischen Stoff mit arabischen Überlieferungen und einigen Elementen der Freimaurer-Mystik. Den Mittelpunkt bildet Balkis, die schöne König von Saba, die zwischen zwei Männern steht. Sie hat Soliman, dem König Salomon, die Ehe versprochen, verliebt sich aber während der Hochzeitsvorbereitungen in den Architekten und Künstler Adoniram. Dieser strotzt nur so vor Eitelkeit und hat ein aufbrausendes Temperament, womit er nicht nur einige Bauarbeiter gegen sich aufbringt, sondern auch den König brüskiert. Dennoch zieht Balkis ihn dem König vor. Einen König zugunsten eines Künstlers zu verlassen, ist ein Tabubruch und damit ein Skandalon. Das Liebesverhältnis zwischen ihr und Adoniram bleibt nicht unentdeckt. Gemeinsam will man fliehen. Am Treffpunkt wird Adoniram im Streit von drei Arbeitern verwundet, er stirbt in den Armen Balkis und wird von Gott Tubal-Kain aufgrund seiner genialen Leistungen in sein Reich geführt. 

Unter der Leitung von Hendrik Vestmann gelang es den Duisburger Philharmonikern den musikalischen Farbreichtum geschickt auszuloten und nicht nur die dienende Begleitmusik für die Arien und den Chor zu leisten, sondern auch immer wieder die Feinheiten der Emotionen aufschimmern zu lassen. Besonders eindrucksvoll war auch die Szene der Explosion des Gussofens, die den dramatischen Höhepunkt bildete. 

Als Balkis brillierte Liana Aleksanyan, die nicht nur wahrhaft königlich alle Koloraturen meisterte, sondern auch die Feinheiten der Gemütszustände ihrer dargestellten Figur strahlend zum Ausdruck brachte. Dem Tenor Sébastien Guèze als Adomiran gelang es sowohl den arroganten Baumeister, der gegen Herrn und Untergebene wetterte, als auch den Liebenden ausdrucksstark und bravourös darzubieten. Mit großer Leichtigkeit und beeindruckender Selbstverständlichkeit füllte der Bassist Bogdan Talos die Rolle des König Soliman aus. Ebenso überzeugend waren die drei Aufwiegler mit Andrés Sulbaran, Jake Muffett und Valentin Ruckebier besetzt. Auch darf der Chor mit seiner feinen, doch ausdruckstarken Darbietung nicht vergessen werden. 

Am Ende belohnte das Publikum lange mit jubelnden Applaus eine überragende Ensembleleistung.

Für alle, die diese Aufführung nicht live erleben können, gibt es ein kleines Trostpflaster: auf WDR 3 wird sie im Herbst 2026 in der Reihe „WDR Oper“ gesendet.

Grand opéra in fünf Akten
Libretto von Jules Barbier und Michel Carré

Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann
Chorleitung: Albert Horne

Balkis, Königin von Saba: Liana Aleksanyan
König Soliman: Bogdan Taloș
Adoniram, Baumeister: Sébastien Guèze
Bénoni, sein Gehilfe: Anna Alàs i Jové
Sarahil, Vertraute der Königin: Charlotte Langner
Sadoc, Diener des Königs: Jacob Harrison
Amrou, Geselle: Andrés Sulbarán
Phanor, Geselle: Jake Muffett
Méthousaël, Geselle: Valentin Ruckebier
 

Chor der Deutschen Oper am Rhein
Duisburger Philharmoniker

 © Jochen Quast

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