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Deutschsprachige Erstaufführung: MUTTER von Wajdi Mouawad im THEATER-OBERHAUSEN

Premiere 30/4/2026, 19:30 Uhr, Studio

Auf der Flucht vor einem Bürgerkrieg kommen eine Mutter und drei Kinder in Paris an, während der Vater in der unsicheren Heimat zurückbleibt, um für sie finanziell sorgen zu können. Traumatisiert, in einer fremden Stadt mit einer fremden Sprache und ungewohnten Gepflogenheiten – die Ankunft ist schwer und frustrierend.

 Denn die Mutter blickt unentwegt in das alte Leben und weigert sich, in Paris eine neue Existenz aufzubauen – immerhin sei die Zeit des Wartens eine vorübergehende, bald sei der Krieg vorbei und die Familie wieder zuhause vereint. Von ihren Kindern, allen voran von ihrem zehnjährigen Sohn, erwartet sie jedoch unnachgiebig Disziplin, Anpassungsvermögen und Sprachwunder – und übersieht dabei, wie ihr Nachwuchs zwischen den Welten aufgerieben wird. Fünf lange Jahre wartet die Familie auf das Kriegsende, fünf lange Jahre überlebt die Familie so in der kleinen Wohnung, die der Mutter zunehmend zum selbst gewählten Gefängnis wird. Nur auf die Nachrichtensprecherin ist Verlass – pünktlich jeden Abend öffnet sich so ein Fenster in die alte Heimat. Doch wenn die Worte verhallen, ist die Mutter wieder allein – inmitten einer pulsierenden Metropole. Und das Warten geht weiter.

Der international gefeierte Dramatiker Wajdi Mouawad hat mit Mutter ein bewegendes wie persönliches Stück vorgelegt, in dem er schmerzhaft aus der Perspektive seines kindlichen Ichs die Flucht seiner Familie vor dem libanesischen Bürgerkrieg (1975–1990) ins Pariser Exil beschreibt. Er stellt dabei eine Mutter ins Zentrum, die an Krieg, Flucht und Exil innerlich zerbricht und ihre Kinder vor diesem Schicksal bewahren will. Mouawads Geschichte hat sich seitdem millionenfach so oder so ähnlich wiederholt, geflohene Mütter und Kinder aus Afghanistan, dem Kosovo, Syrien oder der Ukraine warten – auf Nachrichten aus der Heimat, auf das Kriegsende, auf ein neues Leben.
 

Die ukrainische Regisseurin Tamara Trunova arbeitet seit 2011 am Left Bank Theater in Kyjiw, wo sie seit 2019 auch die Position der Chefregisseurin innehat. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine öffnet das Left Bank Theater weiterhin allabendlich seine Türen, um für die Menschen in Kyjiw zu spielen und einen Gemeinschaftsort zu bieten. Mit mehr als 30 Theater- und Opernproduktionen in der Ukraine und im Ausland ist Trunova eine der bedeutendsten Vertreterinnen der neuen Generation ukrainischer Theaterregisseur:innen.

Regie Tamara Trunova  
Bühne und Kostüme Franziska Isensee
Dramaturgie Saskia Zinsser-Krys  
Stadtdramaturgie Viktoria Lewowsky
 

Mit Khalil Fahed Aassy, Anke Fonferek, Franziska Roth, Mariann Yar

10.05.26 18:00 Uhr -
Di. 19.05.26 19:30 Uhr 
Fr. 29.05.26 19:30 Uhr

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Extra

Begleitendes Filmprojekt: Mütter.Jeden Tag

Mütter.Jeden Tag ist ein 30-minütiger hybrider Dokumentarfilm der Filmemacherin Ayşe Kalmaz, der im Rahmen ihrer Stadtbotschaft am Theater Oberhausen in Resonanz zur Produktion Mutter entstanden ist. Darin begleitet Kalmaz vier geflüchtete Mütter aus Bangladesch, Bosnien und Herzegowina, der Türkei und der Ukraine, die heute in Oberhausen und Umgebung leben. Der Film rückt die Perspektiven der Frauen in den Mittelpunkt und begleitet sie in ihrem Alltag – in kleinen Gesten, Gesprächen, Momenten des Wartens und der Fürsorge für ihre Kinder. Ruhige Beobachtungen der Gegenwart verbinden sich mit Erinnerungen und Gedanken über das, was war und was noch kommen kann. Die inneren Stimmen der Frauen sind dabei immer wieder zu hören und geben Einblick in ihre Erfahrungen, Wünsche und Hoffnungen. 

Der filmische Essay von von Ayşe Kalmaz wird vor jeder Vorstellung in der Container-Bar oder im Studio-Foyer gezeigt. Die Premiere von Mütter.Jeden Tag findet im Rahmen der Kooperation mit den Oberhausener Kurzfilmtagen mit anschließenden Nachgespräch statt.

Mi 29/4/2026, 20 Uhr, Kino im Walzenlager

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