Auf der Bühne entstehen Bilder aus echten Geschichten: Die Sardinenarbeiterin, die seit ihrem siebten Lebensjahr Fische köpft – ihre Hände tanzen diese Bewegung, repetitiv, kraftvoll, voller unterdrückter Würde. Die junge Mutter, die täglich zur weit entfernten Stadt pendelt, um ihren Kindern ein Leben zwischen Natur und Kultur zu ermöglichen – ihr Körper getrieben, erschöpft, entschlossen. Die Kapitänsfrau, die ihren Mann auf Reisen begleitet – ihre Bewegungen fließend, rastlos, nie wirklich ankommend. Und jene, die widerwillig das Leben ihrer Mutter wiederholt: allein mit den Kindern, während er fünf Monate auf See ist. Ihr Tanz zwischen Pflicht und Rebellion.
Drei Räume, zwei Jahreszeiten: Die Bühne verwandelt sich: Die enge, dunkle Wohnwelt – wo Körper schwer atmen, wo der Geruch nach Fisch und Arbeit niemals verschwindet. Die Stege – Schwellenorte zwischen Abschied und Ankunft, wo Frauen verharren, starren, warten. Der Strand – wo sich Körper öffnen, wo Horizonte sichtbar werden, wo Träume möglich sind.
Und dann die Jahreszeiten: Die monochrome, eisige Winterzeit – Menschen isoliert in ihren Wohnungen, Bewegungen erstarrt, nach innen gekehrt. Und die heiße, bunte Sommerzeit – das Leben draußen, Körper leicht und tanzend, Lachen am Strand.
Filmische Projektionen von Wasser, Küstenlandschaften und historischen Aufnahmen lassen lebende Tänzerinnen mit mythologischen und historischen Frauenfiguren interagieren. Die Sardinenarbeiterin von heute begegnet Aphrodite. Die junge Mutter trifft auf Bouboulina, die Freiheitskämpferin. Die Kapitänsfrau tanzt mit Sirenen.
Poesie trifft Realität
Ich will keine pittoreske Darstellung von Küstenleben. Ich will auch kein dokumentarisches Theater, das Interviews nachstellt. Ich suche etwas Drittes: eine poetische Verdichtung realer Lebensgeschichten. Die Bewegung entsteht aus dem körperlichen und emotionalen Zustand der Figuren – aus Erschöpfung wird Tanz, aus Warten wird Poesie, aus Routine wird Ritual.
Es gibt die Härte: Arbeitswelt, Routine, Ausbeutung. Hände, die nie stillstehen. Körper, die vom Meer geformt wurden. Gefahren, Verlust, Einsamkeit. Das Meer nimmt, was es gegeben hat. Aber es gibt auch das Lachen, die Feste, die Solidarität. Frauen, die gemeinsam kämpfen – für Renten, für Anerkennung, für ihre Würde. Das Tanzen am Strand an heißen Sommerabenden. Die intensive Lebensfreude, die nur jene kennen, die täglich dem Meer begegnen.
Mit Jörg Lensings atmosphärischem Sound Design – Eiseskälte, Sommerrauschen, Möwenschreie, Winterschweigen – und Nikos Salmouris‘ filmischen Bühnenbildern entsteht ein Raum zwischen Dokumentation und Traum, zwischen Realität und Mythos.
Konzept & Choreografie
Jacqueline Fischer
Griechische Tänzerin und Choreografin mit internationaler Erfahrung. Lebt seit 1984 in Deutschland. Mit-Gründerin des THEATERs DER KLÄNGE (1987) in Düsseldorf. Verbindet in innovativer Weise Tanz, Musik und Medien, wobei ihre Arbeiten Themen wie Identität und Resilienz behandeln. 45 Jahre Bühnenerfahrung und umfangreiche Expertise Tänzerin und Choreografin.
Sound Design
Jörg U. Lensing
Vielseitiger Künstler, Komponist und Regisseur mit Wurzeln in Neuer Musik und interdisziplinären Theaterprojekten. Professor für Sounddesign an der FH Dortmund. Initiator, Gründer und Künstlerischer Leiter des THEATERs DER KLÄNGE seit 1987. Verbindet Komposition, Regie, Sound Design und Theatermusik in einem innovativen Ansatz.
Bühne
Nikos Salamouris
Visueller Künstler und Bühnenbildner. Co-Leiter des SINOPIA Cultural Centre in Ermioni, Griechenland. Unterstützt das Projekt mit seinem Wissen über lokale Materialien, Medien und die Geschichte der Region.
Kostüm
Caterina Di Fiore
Kostümdesignerin, arbeitet seit 1991 als Kostümbildnerin für das THEATER DER KLÄNGE
Tanz
Vier Tänzerinnen: Angela Matabuena, Julia Monschau, Antonia Thomsen, Mariane Verbecq
Professionelle Tänzerinnen mit Schwerpunkt zeitgenössischer Tanz, internationale Erfahrung und Expertise in interdisziplinären Projekten.
Do, 15. bis Sa, 24. Januar 2026

