„Da Händel uns mit seiner Musik und Geisteshaltung noch immer viel zu sagen hat, stehen die Internationalen Händel-Festspiele 2026 wieder unter einem Motto aus der zentralen Festspieloper – Tamerlano –, das diesmal um Wege der Befreiung aus Diktatur und Despotismus kreist: „Standhaftigkeit und Verachtung sind Waffen gegen die Tyrannei." (Bajazet)
Als Inspiration zieht es sich durch viele Programmierungen, konkret inhaltlich oder im abstrakten Sinne als künstlerische Selbstbestimmung und Befreiung aus einem starren Regelwerk: Sei es in einer kammermusikalischen Lesung oder in großbesetzten Konzerten mit Staraufgebot, sei es in einem Orgelrezital oder in einem hochenergetischen Cross-Over-Konzert.
Verstärkt treten die Festspiele durch die Wahl ihrer Aufführungsorte in den Städtischen Raum und intensivieren ihre Kooperationen, natürlich mit der Händel-Gesellschaft und der Internationalen Händel-Akademie, aber auch mit der Karlsruher Kirchenmusikszene, mit Landesbibliothek und Schauburg. Es ist wichtig, dass die Händel-Festspiele als städtisches Ereignis wahrgenommen werden und alle Karlsruherinnen und Karlsruher sind herzlich eigeladen zu zweieinhalb an- und aufregenden Wochen – voller Musik, Esprit und internationalem Flair!
Die Künstlerische Leitung der 48. Internationalen Händel-Festspiele liegt erneut in den Händen von Operndirektor Christoph von Bernuth als Künstlerischem Leiter, der Leitenden Opern- und Konzertdramaturgin Stephanie Twiehaus als Kuratorin für das Konzert- und Rahmenprogramm und Orchesterdirektor Oliver Kersken
Opernprogramm
Premiere: Tamerlano
Dramma per musica in drei Akten von Georg Friedrich Händel
Im Zentrum der Händel-Festspiele 2026 steht Händels 1724 uraufgeführte Oper Tamerlano, musikalisch erarbeitet von René Jacobs mit dem Freiburger Barockorchester und einem erlesenen Cast. Diese Händeloper ist nicht nur für René Jacobs eine der dramaturgisch stärksten und galt schon zur Entstehungszeit als politisches Statement in Sachen Herrschaftsverständnis.
Die Oper wird von Allrounder Kobie van Rensburg in Szene gesetzt, der vielerorts ebenso mit seinem ungewöhnlichen, theatralen Einsatz von Videokunst begeistert. – Diese Oper wird nur bei den Festspielen 2026 gespielt und 2027 nicht wiederaufgenommen.
Wiederaufnahme: Rinaldo
Opera seria in drei Akten (1731) von Georg Friedrich Händel
Mit der Zauberoper Rinaldo legte Händel 1711 den Grundstein für seine beispiellose Londoner Opernkarriere: Nicht nur die Rezeptur der Handlung – Liebe, Wut und Leidenschaft inmitten phantastischer Szenenwechsel, feuerspeiender Monster und blühender Zaubergärten – war ein Erfolgsgarant, auch die Musik traf genau den Nerv des Publikums. Zwanzig Jahre später überarbeitete (und komprimierte) der Komponist seine Oper. Diese selten gespielte Fassung machten Rinaldo Alessandrini und Hinrich Horstkotte zu einem barocken Bühnenspektakel: „Bezaubernd, hintergründig und bildgewaltig“ (BNN). – An drei Terminen wird die Oper mit der gleichen Besetzung wieder aufgenommen.
Atalanta
Dramma per musica von Georg Friedrich Händel – konzertant
Händels 1736 in London uraufgeführte italienische Pastoraloper ist eine der wenigen Opern, die seit Gründung der Händel-Festspiele noch nicht in Karlsruhe gespielt wurden. Lars Ulrik Mortensen bringt in der Christuskirche zusammen mit den Deutschen Händel-Solisten die arkadische Welt zum Klingen, in der nicht nur die Verwandlung eines Hirten in die Prinzessin Atalanta zu erleben ist, sondern auch manch angehender Star, darunter Dennis Orellana, der „Farinelli“-Sieger 2025.
Konzerte & Rahmenprogramm
Das Konzertprogramm wird traditionell eröffnet von den Deutschen Händel-Solisten, die bei den vergangenen Festspielen ihr 40-jähriges Bestehen als eigens für die Internationalen Händel-Festspiele Karlsruhe gegründetes internationales Spezialorchester feierten: Im Galakonzert mit Maayan Licht unter Leitung von Attilio Cremonesi singt Starsopranist Maayan Licht Arien voller Bravour und Sentiment von Porpora, Vivaldi und Händel. Sie sind eingebettet in Orchesterwerke von Benjamin Britten, Ralph Vaughan Williams und Arvo Pärt, die ihrerseits ihre Inspiration und Kraft aus der Musik alter Zeiten schöpfen.
Traditioneller Weise präsentieren sich einzelnen Händel-Solisten in einem Kammerkonzert auch solistisch. „Machtvoll durch Geisteskraft, Überzeugung und innere Stärke.“ – So sehen die diesjährigen Kammermusiker:innen die ausgewählten Triosonaten von Händel, Bach und Telemann, die sie ins Zentrum ihres Konzertes Forza segreta in der Kleinen Kirche Karlsruhe stellen.
Die Deutschen Händel-Solisten spielen auch im glanzvollen Festkonzert mit Andrea Marcon, auf dessen Programm „Concerti, Arien, Duette zwischen Tyrannei und Versöhnung“ stehen. Der gefeierte Alte-Musik-Spezialist Marcon bringt dafür drei Gäste mit nach Karlsruhe: die junge Sopranistin Benedetta Zanotto und den Altus Andrea Gavagnin – beide auf dem Sprungbrett in eine internationale Karriere – sowie einen langjährigen künstlerischen Partner: den renommierten Barockgeiger Gianpiero Zanocco, der u. a. Konzertmeister des Venice Baroque Orchestra war.
Zur Feier des 341. Geburtstag von Georg Friedrich Händel laden die Festspiele erneut zu einem Geburtstags-Salon in die historischen Räumlichkeiten des Stadtpalais Solms, zu einem ungezwungenen Beisammensein in bester Salon-Manier – und mit künstlerischer Inspiration. Zu Beginn des Abends eröffnet Bernhard Hentrich, Händel-Solist und leidenschaftlicher Grammophonexperte, mit vielen Klangbeispielen und einer guten Prise Humor die faszinierende Welt historischer Aufnahmen von Händelwerken. Anschließend sorgen Jazz-Pianist Joe Dinkelbach und Saxophonist Dirk Piezunka mit ihrem eigens für diesen Abend kreierten Händel-Programm für Stimmung. Und zu einer gelungenen Geburtstagsfeier gehören natürlich auch Getränke, Fingerfood und eine Geburtstagstorte, die im Preis inbegriffen sind.
Auch ein trauriger Jahrestag wird programmatisch aufgegriffen: Am 24. Februar, dem Tag des russischen Überfalls auf die Ukraine, spielt die aus Lwiw stammende und seit Kriegsausbruch in Potsdam lebende Organistin Nadiya Velychko in der Christuskirche ein beziehungsreiches Orgel-Rezital: Ihr Programm vereint Händel-Transkriptionen mit Werken ukrainischer Komponisten von Klassik bis Gegenwart. Darunter auch das titelgebende Werk Libera me, in dem Komponist Svyatoslav Lunyov die Stimme für Freiheit und Demokratie erhebt. Zuvor wird die Organistin kurz in das Konzertprogramm einführen.
In der Evangelischen Stadtkirche ist die große Bandbreite kirchenmusikalischer Werke zu erleben: im ChorkonzertGlanz und Stille sind Händels dramatisches Dixit Dominus, seine festliche Hymne Zadok the Priest, ein Orgelkonzert und Auszüge aus Arvo Pärts meditativer Berliner Messe zu hören.Es singen Solist:innen des Staatstheaters und der Karlsruher CoroPiccolo, der damit auch sein 30-jähriges Bestehen feiert.
Der Historiker Prof. Dr. Markus Koller – Professor für Osmanische Geschichte an der Ruhr-Universität Bochum – beschäftigt sich schon seit langem mit Timur Lenk, dem faszinierenden historischen Vorbild von Händels Titelfigur Tamerlano. Im FestvortragTamerlan: Eroberer und Mäzen veranschaulicht er die Bedeutung und den komplexen Charakter dieses oft als grausam bezeichneten Herrschers mit großem Kunstverständnis: Spannender Stoff auch für eine anschließende Diskussion.
Die musikalische LesungDie Kunst der Flucht in der Landesbibliothek knüpft an das Thema der politischen Gefangenschaft an und zeigt, auf welche beeindruckende Weise es trotz Haft und Folter möglich sein kann, die innere Flucht anzutreten und Haltung zu bewahren: Nicht selten hat dabei auch (Galgen-)Humor eine entscheidende Funktion. Neben beeindruckenden persönlichen Schilderungen aus Gefängnissen von Sibirien bis Guantanamo, aus China, der Türkei und Deutschland – gelesen von Schauspielerin Antonia Mohr – lässt ein Streichquartett der Deutschen Händel-Solisten mit einer Auswahl aus Bachs meisterhafter Kunst der Fuge spüren, wie wiederum ein Komponist Reglementierungen so ausreizt, dass sich neuer Freiraum eröffnet.
Eine beliebte Tradition der Händel-Festspiele sind die „Crossover“-Konzerte, in denen Genregrenzen überschritten werden. In diesem Jahr erwartet das Publikum mit Janoska-Ensemble: Revolution! eine musikalische „Revolution“ der ganz besonderen Art. Mit unbändiger Spielfreude und atemberaubender Virtuosität führen die Musiker der aus Bratislava stammenden Familie an Geige, Kontrabass und Flügel bekannt geglaubte Werke von Beethoven bis zu den Beatles in eine neue Dimension. Seit ihrer 2016 erschienenen ersten CD mit Goldstatus gilt ihr „Janoska-Style“ als einzigartig.
Auch eine Kooperation mit dem Filmtheater Schauburg ist wieder Teil des Programms: Auf Großleinwand zu erleben ist diesmal Stanley Kubricks mit mehreren Oscars ausgezeichnetes FilmkunstwerkBarry Lyndon von 1975, das anlässlich seines 50. Bestehens aufwändig restauriert wurde.
Anstelle des 2. Farinelli-Wettbewerbs am 2. März Händel-Festspiele Karlsruhe wird es die Farinelli-Gala in einer Nacht der Countertenöre geben.
Mit großem Bedauern musste der 2. Internationale Farinelli-Wettbewerb für dieses Jahr abgesagt werden: „Die geringe Zahl an qualifizierten Bewerbungen lässt das Niveau vermissen, das notwendig wäre, um den großen Erfolg des 1. Wettbewerbs auch nur annähernd fortsetzen zu können. Geplant ist deshalb die zweite Ausgabe für die Jubiläumsfestspiele 2028 und gehofft wird bis dahin auf weiteren Nachwuchs in diesem Stimmfach.
Da das Publikum bereits im Vorfeld großes Interesse an einem besonderen Event rund um den Countergesang zeigte,gibt es am 2. März statt des Großen Finales nun ein ganz besonderes Konzert im Festspielprogramm: eine hochkarätig besetzte Farinelli-Gala – Die Nacht der Countertenöre, die Farinellis Welt auf besondere Weise huldigt und von Preisträgern des 1. Farinelli-Wettbewerbs sowie weiteren erfahrenen und brillanten Countertenören gemeinsam bestritten wird: Dennis Orellana (Gewinner des 1. Farinelli-Wettbewerbs, Meleagro in Atalanta), Rémy Brès-Feuillet (Gewinner des 2. Preises und des Sonderpreises für Neue Musik), Lidor Ram Mesika (Gewinner des Nachwuchspreises und Oberon in A Midsummer Night‘s Dream), Bruno de Sá und Lawrence Zazzo (Darsteller Rinaldo).
Solistisch, im Duett oder alle zusammen, in höchsten Koloraturen oder anrührendem Lamento präsentieren sie darin die Highlights ihres barocken Repertoires. Und es ist nicht auszuschließen, dass es dabei wie zu Händels Zeiten auch zu manch einer Gesangs-Battle kommt …
Es begleitet das Karlsruher Barockorchester unter der Leitung von Luca Quintavalle.
Das für Samstag, den 28. Februar 2026 im Kleinen Haus vorgesehene Wettbewerbskonzert für den Sonderpreis Neue Musik muss leider aus demselben Grund ersatzlos entfallen.
Service
Tickets können vor Ort beim Kartenservice im K. oder online erworben werden. Die Tageskasse des Staatstheaters befindet sich im K., direkt am Ettlinger-Tor-Platz 1.
Das vollständige Programm der Internationalen Händel-Festspiele 2026 ist hier veröffentlicht: https://www.staatstheater-karlsruhe.de/programm/haendel-festspiele/
Dort finden Sie auch den Programmflyer als PDF zum Download.


