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ZARTES UND KÜHNES -- Neue CD "Perfect Happiness?" bei Berlin Classics

Februar 2026

ALEXANDER WALTHER 25.02.2026

Den emotionalen Kern dieses Albums bilden Robert Schumanns Kinderszenen op. 15 in einer faszinierenden Fassung für Fagott und Klavier. Hier hört man vieles neu und mit unterschiedlichsten Klangfarben. Lilit Grigoryan (Klavier) und David Petersen (Fagott) haben mit großer Sorgfalt diese Stücke für ihre Besetzung arrangiert und eröffnen damit eine frische, atmende und liedhafte Perspektive. Das Album ist somit eine wahre Entdeckungsreise durch die Leipziger Musikgeschichte, ein künstlerisches Statement für Offenheit und Neugier.

© Nikolaj Lund

 Die Auswahl der Werke spiegelt den Geist einer Epoche, in der Freundschaften und künstlerische Inspirationen zwischen Mendelssohn, Moscheles und Schumann das Musikleben entscheidend prägten. Eine besondere Bedeutung kommt dem Fragezeichen "Perfect Happiness?" zu. Die Künstler greifen die zentrale Thematik des Albums auf. Das berühmte fünfte Stück der Schumannschen Kinderszenen heißt nämlich "Glückes genug". Grigoryan und Petersen stellen die Frage, ob es perfektes Glück gibt. Das zeigt sich dann auch in eindrucksvoller Weise musikalisch. 

Beide Künstler spielen hier nämlich die Version für Fagott und Klavier der sehr melodischen Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 in B-Dur op. 45 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die ausdrucksstarken Kantilenen werden hier von David Petersen (Solofagottist des Gewandhausorchesters Leipzig) in hervorragender Weise herausgearbeitet. Das Musizieren wird dabei zur puren Lebensfreude. Robert Schumann wies auf die Vielfalt dieser frühen Sonate hin, deren Klangfarbenreichtum bei dieser dezenten Einspielung in besonderer Wesie hervorsticht. Zartes und Kühnes sowie dynamische Kontraste stehen dabei in reizvoller Weise nebeneinander. Vor allem der Duett-Charakter dominiert in brillantem Stil. Gerade bei der Fassung für Fagott ergibt sich nie die Gefahr überzogener Sentimentalität. Strenge thematische Durchbildung und kontrastierende Themen ergänzen sich gegenseitig. 

Eine angenehme Überraschung ist hier ferner das selten zu hörende Grand Duo Concertant für Klavier und Fagott in B-Dur op. 34 von Ignaz Moscheles. Ein Lehrer von Moscheles war übrigens Antonio Salieri. Angeblich soll dieser Moscheles auf dem Sterbebett gebeten haben, dem absurden Gerücht, er habe Mozart vergiftet, entgegenzuwirken. Ganz entfernt ist auch die Komposition von Moscheles von Mozart beeinflusst. Graziöse Figurationen und Arabesken werden hier von David Petersen auf dem Fagott in faszinierender Weise ausgekostet. Und der kontrapunktische Zauber entfaltet sich so wie von selbst. Motive und Klangfarben bilden dabei eine abwechslungsreiche Einheit. 

Und auch die Kinderszenen op. 15 von Robert Schumann in der einfallsreichen Bearbeitung für Fagott und Klavier von David Petersen und Lilit Grigoryan können den Zuhörer bei dieser transparenten Einspielung faszinieren. Es sind wohlgemerkt keine Stücke für Kinder. Schumann will dem Erwachsenen im Sinne von Chamisso den "Traum der eigenen Tage, die nun ferne sind" zurückrufen. Subtile Harmonik und geheimnisvolle rhythmische Entsprechung ergänzen sich gegenseitig. Beim ersten Stück "Von fremden Ländern und Menschen" fällt die Oberstimme mit der aufsteigenden Sext besonders nuancenreich auf. Und auch die leicht schwingende Mittelstimme in Triolen zeichnen die Musiker genau nach. Die über den verminderten Septakkord zurückkehrende Harmonie wird dabei besonders schön und bewegend musiziert. "Glückes genug" und "Träumerei" gewinnen hier durch den Kantilenenzauber des Fagotts einen neuen Klangfarbenreichtum. Beim "Fürchtenmachen" meldet sich der Märchenerzähler und beschwichtigt dann die bösen Geister. Verschwimmende Harmonien lassen die sichtbare Umwelt langsam und geheimnisvoll verschwinden. Und wenn dann "der Dichter spricht", versinken die Melodien in sphärenhaften Klangwelten. 

Empfehlung!

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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