Er ist für seine Subjekte da, begleitet sie von Geburt an und setzt ihnen die vorgeschriebenen Gedanken ministeriumskonform zwischen die Ohren - gestempelt, unterzeichnet und versiegelt. Und dabei drückt er bestimmt kein Auge zu.
Denn Herrn K., der zu einem Vortrag geladen hat, um seine Wünsche nach einer besseren Büroausstattung zu erläutern, reicht das wirklich nicht aus; er will mehr, er hat Ambitionen, er will aufsteigen. Er will sich in seinem Plädoyer vor dem Ministerium nicht verteidigen, er will angreifen! Jahrelang hat er gute Arbeit geleistet, es ist Zeit für die höhere Besoldungsstufe, für die Bearbeitung der höhergestellten Subjekte. Es ist Zeit für eine Büroausstattung, die seinen Leistungen gerecht wird. Es entspricht doch einfach der Sachlage – oder etwa nicht?
Mit »Wir gegen uns« öffnet Łukasz Ławicki die Tür zu einer Welt, in der Wut eine Ressource ist und Hass ein Geschäftsmodell und in der (Karriere-)Leitern bestenfalls zurück in den Keller führen. Eine Verteidigung aller, die gern anklagen und eine Anklageschrift, für alle die sich gern verteidigen.
»Wir gegen uns« ist ein Monolog, der mit präziser Beobachtungsgabe und einer gehörigen Portion subtilen Humor arbeitet. Die Komik der Absurdität, mit der Herr K. versucht, das Unmenschliche zu verwalten. »Wir gegen uns« ist ein Theaterabend, der die Gegenwart nicht einfach erklärt, sondern sie in ihrer ganzen Komplexität und Beunruhigung spürbar macht. Eine Einladung an alle, die hinter die Kulissen der aktuellen Debatten blicken wollen. Lassen Sie uns den Blick nicht nur auf ,die Anderen‘ werfen, sondern uns selbst hinterfragen: Wo ziehe ich Grenzen? Wie schnell werden aus Unsicherheiten feste Überzeugungen? Und welche Rolle spielen wir selbst in einem Gefüge, das aus Ordnung und Ausgrenzung besteht?
Regie: Łukasz Ławicki
Ausstattung: Nina Aufderheide
Dramaturgie: Gesine Geppert
Mit: Gerrit Frers
Audio: Julia Friede
Do 2.4. 20:00 UhrKarten
Sa 4.4. 20:00 UhrKarten
Di 7.4. 19:30 UhrKarten
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit: Do 9.4. 20:00 Uhr


