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Wiederentdeckung von Jaromír Weinbergers Oper “Wallenstein”Wiederentdeckung von Jaromír Weinbergers Oper “Wallenstein”Wiederentdeckung von...

Wiederentdeckung von Jaromír Weinbergers Oper “Wallenstein”

Deutsche Erstaufführung am 23. Oktober 2009 an den Bühnen der Stadt Gera, Großes Haus

 

Der musikalischen Tragödie in sechs Bildern „Wallenstein“ (Valdštejn) liegt Friedrich Schillers 1799 vollendete gleichnamige Dramen-Trilogie zugrunde.

 

 

Jeweils eines der Dramen („Wallensteins Lager“, „Die Piccolomini“, „Wallensteins Tod“) wird in zwei Bildern adaptiert. Schiller behandelt darin den Niedergang des berühmten Feldherrn Wallenstein, wobei er sich frei an den realen historischen Ereignissen orientiert: Wallenstein scheitert auf dem Gipfel seiner Macht; er ist der erfolgreiche Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee, als er beginnt, sich gegen seinen Kaiser Ferdinand II. aufzulehnen, um das aufgebaute Machtvakuum aufzuheben und das grausame Sterben und Morden zu beenden. Das Werk spielt im Winter 1633/1634 in der böhmischen Stadt Pilsen, wo sich Wallenstein zu jener Zeit mit seinen Truppen aufhält, sowie in Eger, wohin der Herzog von Friedland flieht. Hier wurde er am 26. Februar 1634 ermordet.

 

Im Schillerjahr 2009 präsentiert Theater & Philharmonie Thüringen die Deutsche Erstaufführung der Oper „Wallenstein“ und setzt damit die bei Publikum und Presse gleichermaßen geschätzte und überregional vielbeachtete Reihe von Wiederentdeckungen des 20. Jahrhunderts fort. Es gilt, ein Schlüsselwerk des zu Unrecht weitgehend vergessenen Komponisten Weinberger wieder zu entdecken und zugleich in vielfältiger Weise Position zur europäischen (Musik-) Geschichte zu beziehen. Regie führt Generalintendant Matthias Oldag. Die Premiere ist am 23. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus der Bühnen der Stadt Gera.

 

1896 in Prag geboren, galt Jaromír Weinberger als musikalisches Wunderkind. Neben dem Klavierspiel widmete er sich früh dem Komponieren; bereits mit 14 Jahren bestand er die Aufnahmeprüfung am Prager Konservatorium. 1913 schloss er sein Kompositionsstudium ab. 1915 nahm er Kontakt mit Max Reger auf, bei dem er bis zu dessen Tod im Jahr 1916 in Leipzig seine Studien fortsetzte. 1927 gelang ihm mit der Oper „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ ein Sensationserfolg; in Breslau, München, Dresden, Bremen, Frankfurt am Main, Darmstadt, Leipzig, Berlin, Straßburg, Wien, New York, London und Buenos Aires u.a. wurde die Volksoper enthusiastisch gefeiert. In der Spielzeit 1929/1930 stand „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ auch in Altenburg und Gera auf dem Spielplan. Bis Anfang der 30er Jahre wurde die Oper über 2.000 Mal aufgeführt und in 17 Sprachen übersetzt.

 

Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus endete die hoffnungsvolle Karriere Weinbergers in Europa: Die Uraufführung der Operette „Frühlingsstürme“ im Januar 1933 im Berliner Admiralspalast mit Richard Tauber stand genauso unter ungünstigen Vorzeichen wie die Uraufführung der Oper „Wallenstein“ 1937 an der Wiener Staatsoper unter Clemens Krauss. 1938 musste Weinberger über Frankreich in die USA fliehen. Dort wurde sein Orchesterstück „Under the Spreading Chestnut Tree“ vom New York Philharmonic Orchestra unter Sir John Barbirolli uraufgeführt; ansonsten blieb der Erfolg in den Vereinigten Staaten jedoch aus. Zunehmend unter seiner Vertreibung, der Ermordung seiner Mutter und einer seiner Schwestern in Konzentrationslagern und beruflichem Misserfolg leidend, starb Weinberger 1967 nach mehreren Nervenzusammenbrüchen.

 

Weinberger galt bei seinen Zeitgenossen als legitimer Nachfolger von Bedřich Smetana. Er adaptiert Melodik und Rhythmik der böhmischen Volksmusik und kombiniert diese mit neueren kompositorischen Errungenschaften wie der Erweiterung der Tonalität, ohne jedoch bis zur Atonalität vorzustoßen. Er versuchte – wie bei „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“ - mit „Wallenstein“, an die romantische Volksoper des 19. Jahrhunderts anzuknüpfen und sich gleichwohl den sozialpolitischen Gegebenheiten seiner Zeit zu stellen. „Kunst ist ein Spiegel des Lebens. Mehr noch: Sie ist die Quintessenz des Lebens und das genaueste Instrument, den Gesundheitszustand der Gesellschaft, der gesellschaftlichen Situation der gesamten Zeit, zu messen“, formulierte Weinberger 1939 (Musical Quarterly).

 

Jaromír Weinberger „Wallenstein“ (Valdštejn)

Musikalische Tragödie in sechs Bildern. Text nach Friedrich Schillers dramatischem Gedicht von Miloš Kareš. Deutsche Übertragung von Max Brod.

Uraufführung: 18. November 1937 Staatsoper Wien

Deutsche Erstaufführung: 23. Oktober 2009, Bühnen der Stadt Gera, Großes Haus

 

Musikalische Leitung: Jens Troester

Inszenierung: Matthias Oldag

Bühne: Thomas Gruber

Kostüme: Mathias Rümmler

Einstudierung der Chöre: Nikolaus Müller

Dramaturgie: Felix Eckerle

 

Mit Teruhiko Komori (Wallenstein), Franziska Rauch (Thekla), Nico Wouterse (Octavio Piccolomini), Vincent Wolfsteiner (Max Piccolomini), Elvira Dreßen (Gräfin Terzky), Günter Markwarth (Graf Terzky), Kai Wefer (Illo, Kapuziner), Olaf Plassa (Buttler), Peter Paul Haller (Graf Questenberg/Seni), Bernhard Hänsch (Wrangel), Marie-Luise Dreßen, Michael Siemon, Winfried Roscher, Konrad Zorn, Roman Koshmanov

 

Philharmonisches Orchester, Opernchor & Statisterie von Theater & Philharmonie Thüringen

 

Weitere Vorstellungen:

6. November 2009, 27. Dezember 2009 und 15. Mai 2010, jeweils 19.30 Uhr

In der Spielzeit 2010/11 in Altenburg

 

 

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