Rudolf lebt mit seinen beiden Schwestern zusammen, Clara und Vera. Jedes Jahr schwelgen die Höllers nun in Erinnerungen an die gute alte Zeit. Nur die schutzlos ausgelieferte und seit einem Attentat im Rollstuhl sitzende Schwester Clara versucht, sich den Phantasmen ihrer Geschwister mit beredtem Schweigen zu widersetzen. Als einst vehemente Sozialistin ist sie dafür heftigen Gegenangriffen ausgesetzt. Denn die private Erinnerungskultur über den Familienalben darf nicht durch negative Bemerkungen über die NS-Zeit getrübt werden.
Thomas Bernhard (1931 ̶ 1989) thematisiert mit sarkastischem Ton die eingeschriebenen Mechanismen des Nationalsozialismus und die nachwirkenden Effekte autoritärer Strukturen. Seine bitterböse „Komödie“ und politische Farce Vor dem Ruhestand wurde durch die Enthüllungen der NS-Vergangenheit des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger angeregt. Der Stuttgarter Intendant und Regisseur Claus Peymann engagierte sich immer wieder politisch und sammelte nach den RAF-Anschlägen u. a. Spenden für die medizinische Behandlung der in Stammheim inhaftierten Gudrun Ensslin. Die CDU Baden-Württembergs forderte seine fristlose Entlassung. In der Diskussion um Peymann hatte sich auch Hans Filbinger vehement gegen den Theaterdirektor ausgesprochen.
Vor Peymanns vorzeitigem „Stuttgarter Ruhestand“ aufgrund seiner vielen politischen Äußerungen brachte er noch 1979 Vor dem Ruhestand in Stuttgart zur Uraufführung
Inszenierung Martin Kušej
Bühne Annette Murschetz
Kostüme Heide Kastler
Komposition Bert Wrede
Licht Felix Dreyer
Dramaturgie Benjamin Große
So – 22. Feb 26, 19:30
Do – 05. Mär 26, 19:30
Fr – 13. Mär 26, 19:30
Do – 19. Mär 26, 19:30
So – 29. Mär 26, 18:00
Fr – 03. Apr 26, 19:30
Sa – 11. Apr 26, 19:30
Mo – 13. Apr 26, 19:30


