Die Freundschaft zu Lea wird auf eine große Probe gestellt. Joachim dagegen begegnet mit Ende 60 einer unverhofften Liebe, die er nicht hinterfragen muss. So heißt es da: "Sie versteht ihre Gebundenheit an Joachim nicht; wenn sie ihn verlassen möchte, wirft er seine Zweitageslasso aus, schenkt ihr in diesen achtundvierzig Stunden Rosen, entwirft Visionen von Glück und Liebe, sagt ihr, wie schön sie sei, und es ist sein Blick, der sie wehrlos macht, sie sieht ihre eigene Angst darin; das alles legt sie völlig lahm, sie bleibt".
Natürlich hat dieser ungewöhnliche Roman einen trotzig-heiteren Tonfall. Trotzdem überwiegt die Frage nach Trost in einer verrückten Welt. Angelika Klüssendorf gelingt es aber auch immer wieder, die Hilflosigkeit dieser Menschen herauszustellen, die mit dem Leben oftmals überfordert sind. Selbst die spürbare Verletzlichkeit von Männern findet hier Platz: "Als Eric hörbar aufschluchzt: Ich schäme mich so, nimmt sie sein zerquältes Gesicht in ihre Hände und denkt: Scheitern, auch das, und dabei wissen warum. Sie sagt: Ich komme mir vor wie eine alte Frau, wenn ausgerechnet ich dir sage, das ist das Leben, dafür brauchst du dich nicht zu schämen. Und jeder, wirklich jeder Mensch auf der Erde braucht Trost."
Es ist die Stärke dieses Romans, in welcher Art und Weise Angelika Klüssendorf bestimmte Lebenssituationen auf den Punkt bringt. Im Epilog findet dann sogar der Krieg gegen die Ukraine Erwähnung. Vergangenheit und Gegenwart gehen hier immer wieder eine geheimnisvolle Verbindung ein. Diese Lebensgeschichten erzählen dann auch von der Wucht, die Trennungen hervorrufen.
Empfehlenswert.


