Die Idee für diese Aufnahme entstand dann in Japan, als das Goldmund Quartett von einer besonderen Gitarre hörte, die auf der Paletta (dem Kopf des Instruments) die mit Elfenbein eingelegten Initialen "N.P." trägt. Das Goldmund Quartett spielt nun seit 2019 auf dem "Paganini-Quartett" des legendären italienischen Instrumentenbauers Stradivari. Die auch auf dieser CD zusammen mit dem Goldmund Quartett zu hörende Gitarristin Carlotta Dalia meint, dass Niccolo Paganini so viel mehr als nur der "Teufelsgeiger" gewesen sei. Er hinterließ immerhin fünfzehn einfallsreiche Gitarrenquartette. Die Zusammenarbeit mit dem Goldmund Quarett war für Carlotta Dalia offensichtlich eine prägende Erfahrung. Sie habe große Freude bereitet: "Es war spannend zu erleben, wie das Quartett mit Phrasierungen und Klangfarben umgeht." Experimentierfreude zeigt sich vor allem beim Streichquartett Nr. 15 in a-Moll, das mit einem virtuosen Violasolo beginnt. Hier liegt auch die melodische Führung, was ungewöhnlich ist.
Carlotta Dalia tritt auf diesem interessanten Album außerdem solistisch in Erscheinung. In einer virtuosen Transkription der Sonate in A-Dur für Solo-Violine sowie in einem eigens für diese Aufnahme geschaffenen Ghiribizzo eines Anonymus über das neapolitanische Lied "Ti voglio bene assaje" von Gaetano Donizetti brilliert sie in besonderer Weise mit facettenreichen Klangfarben. Ghiribizzi sind laut Carlotta Dalia kleine Kompositionen, nur 20 oder 30 Sekunden lang, eine Sammlung von Formen, in denen Paganini die bekannten Melodien seiner Epoche arrangiert hat. "Ti voglio bene" heiße übrigens "Ich liebe dich". Das Goldmund Quartett möchte auch bei Paganinis drittem Streichquartett in a-Moll seinen Geist einfangen und eine authentische Version seiner Musik zeigen, die die unterschiedlichen Stimmungen und die Vielfalt seiner Kunst präsentieren. Das ist bei dieser Einspielung in jedem Fall gelungen. Basierend auf einem stimmungsvollen Arrangement von Robert Schumann erklingt zudem Niccolo Paganinis Caprice op. 1 Nr. 24 in a-Moll in der Version für Gitarre und Streichquartett. Technische Kühnheiten wie Läufe, Triller und Doppelgriffe sprudeln nur so hervor. So gewinnt man einem bewegenden Eindruck von Paganinis Kammermusik.
Die Bekanntschaft mit dieser Aufnahme lohnt sich. Man hätte sich sogar eine noch größere Werkauswahl gewünscht.


