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LEIDENSCHAFTLICHE VISIONEN -- Neue CD: Klaviermusik von Franz Liszt "Metanoia" mit Yulianna Avdeeva bei Pentatone

August 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Die russische Pianistin Yulianna Avdeeva legt auf dieser CD die motivischen Keimzellen der Klaviermusik Franz Liszts in einfühlsamer und bewegender Weise bloß. Selbst die Sparsamkeit des thematischen Materials wird suggestiv ausgelotet.

© NAXOS

Der formale Aufbau der berühmten Sonate in h-Moll wirkt bei dieser klanglich opulenten Wiedergabe wie ein erratischer Block, die sinfonischen Ausmaße werden durchaus betont. Das hymnische "Grandioso" in D-Dur besitzt hier etwas ungemein Mitreissendes - und auch das lyrische D-Dur-Seitenthema mit der Cantando-Phrase besticht aufgrund berührender Momente. Ein trotziges Marcato-Motiv behauptet sich mit feuriger Entschlossenheit von Anfang an. Das religiöse Akkordmotiv besitzt dann etwas Sphärenhaftes, das den Hörer unmittelbar berührt. Mit feurigen kontrapunktischen Exzessen wartet das Fugato auf, dem eine aufwühlende Oktavenstretta folgt. Mit großer Klangfülle und mit fernem Nachhall endet die Coda. 

Yulianna Avdeeva bändigt die auf den Hörer einstürzenden Klangmassen mit nie nachlassender Energie. Menschliche Leidenschaften und Kämpfe werden in pianistisch glanzvoller Weise deutlich. "La lugubre gondola" betört dann mit einem geheimnisvoll wiegenden Rhythmus, der manchmal fast zu entschweben scheint. Brillant interpretiert Yulianna Avdeeva die thematischen Verbindungslinien der "Bagatelle sans tonalite", wobei die chromatischen Verästelungen zuweilen wie ein klangliches Labyrinth wirken. Das Quartenmotiv über tremolierenden Oktavbässen wird bei "Nuages gris" suggestiv herausgemeisselt, die "trüben Wolken" werden zwischen chromatisch aufsteigenden Linien und dissonanten "Harfenakkorden" in geheimnisvoller Weise ausgeleuchtet. 

Eine turbulente Überraschung ist dann der eher selten zu hörende "Csardas macabre" mit seinen unheimlichen Quintenfolgen und dem treffsicheren rhythmischen Motiv, das sich beim Zuhören tief einprägt. Da entfaltet sich dann ebenfalls wildes pianistisches Feuer! "R.W. - Venezia" schwankt zwischen Trauer und Dunkel. In unheimlichen Akkorden wird die Welt Richard Wagners in Venedig beschworen. 

Auch in den weiteren Stücken Ungarische Rhapsodie Nr. 17, "Unstern! - Sinistre" und der zweiten "Legende" mit dem Titel "St. Francois de Paule: Marchant sur les flots" werden zwischen dissonanten linearen Reibungen, Ganztonleitern sowie modalen pentatonischen Folgen und übermäßigen Dreiklängen neue Klangwelten aufgestoßen. Quartenschritte und Quartenakkorde bleiben spürbar. Vor allem das markante Choralthema bei der Legende sticht deutlich hervor. Chromatische und diatonische Skalen beleben die harmonische Welt. 

Bei "Unstern!" faszinieren die übermäßigen Dreiklänge, die zu dissonanten Akzenten bis zum äussersten Forte führen, was in gespenstischen Klangwirkungen gipfelt. Die Wendung nach Dur ist bei der Ungarischen Rhapsodie hier ein grandioser Lichtblick. Die rasante Stretta führt zu einem atemlosen Gipfel. 

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