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MUSIKALISCHE RÄTSEL -- Neue CDs: Beethovens Streichquartette mit dem Doric String Quartet aus London Vol. 3 bei Chandos

August 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Der erste Teil erschien 2023 und wurde von der "Times" gefeiert. Jetzt hat das Doric String Quartet aus London bereits sein drittes Album mit Beethoven-Streichquartetten veröffentlicht.

© Doric String Quartet

Es beginnt mit dem Streichquartett in D-Dur op. 18 Nr. 3, dessen sphärenhafte Leichtigkeit bei diesem Musizierstil besticht. Bei der dezenten Wiedergabe des Streichquartetts in C-Dur op. 39 Nr. 3 spürt man dann schon, dass aus Beethoven im Jahre 1806 ein respektabler Meister geworden ist. Der schroffe verminderte Septakkord sticht hier deutlich hervor, gerade weil die Bratsche um einen Halbton hinabgleitet. Besonderen Reiz besitzt auf dieser CD das bekannte "Harfenquartett" in Es-Dur op. 74 mit seinen präzis artikulierten Pizzicato-Arpeggien. Das Finale aus Thema und Variationen imponiert  durch die Genauigkeit seiner Strukturen. 

Ein Höhepunkt ist bei dieser akustisch recht weiträumigen Einspielung allerdings die zweite CD mit den tiefgründigen Interpretationen von Ludwig van Beethovens späten Streichquartetten. Vor allem die Wiedergabe des Streichquartetts in a-Moll op. 132 aus dem Jahre 1825 überzeugt mit bewegender Emphase. Der langsame Satz besteht aus dem "Heiligen Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart". Nach einer schweren Krankheit setzte Beethoven seiner Dankbarkeit hier ein klingendes Denkmal. Vor allem die choralhaften Passagen gelingen überzeugend. Die fünf Sätze atmen so einen ungemein schöpferischen Geist. Im Finale geht es ausgesprochen stürmisch zu: Der Geschwindmarsch Allegro appassionato wird vom Cello in höchster Lage nachgezeichnet, fesselt mit einer beglückenden Wendung nach A-Dur. Diese hymnische Steigerung besitzt mit dem Doric String Quartet einen bemerkenswerten Schwung. Die Erweiterung des Tonumfangs wird dabei in akustisch vielfältiger Weise ausgekostet. Der klangfarbliche Reiz geht nicht verloren. 

Beethovens letztes vollendetes Streichquartett in F-Dur op. 135 aus dem Jahre 1826 wirkt in dieser Aufnahme wie eine Beantwortung letzter Fragen. Die langsame Einleitung mit Beethovens rätselhaften Worten "Muss es sein?...Es muss sein!" mit dem Untertitel "Der schwer gefasste Entschluss" gaben schon immer Rätsel auf. Und das mit höchster Konzentration musizierende Doric String Quartett hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses geheimnisvolle Rätsel zumindest musikalisch zu lösen. Das meisterhafte Spiel mit Motiven wird auf die Spitze getrieben. Und die konzentrierte Knappheit wird dabei nicht übertrieben. Der erste Sonatensatz wird hier konsequent von der einleitenden Bratsche beherrscht - und die ständig atmende Punktierung zeichnet die Struktur des feingliedrigen Hauptthemas in sensibler Weise nach. Kontrapunktisch geistvoll erscheint schließlich die Coda. Trotz seiner Knappheit besitzt hier auch das Scherzo eine bemerkenswerte Aussagekraft. Der Variationensatz in Des-Dur mit seiner enharmonischen Umdeutung von des-Moll nach cis-Moll erweist sich ebenfalls als höchst bedeutungsvoll. Maia Cabeza und Ying Xue (Violine), Emma Wernig (Viola) und John Myerscough (Cello) loten jede Nuance feinfühlig aus. Frage und Antwort spielen dann auch im Finalsatz eine überragende Rolle, Philosophie wird hier zu Musik und umgekehrt. Kontrapunktischer Ausdruckszauber überwältigt den Hörer. Und die im reizvollen Pizzicato-Stil eingeleitete Coda bietet schließlich eine ergreifende Lösung. 

Unbedingte Empfehlung!

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