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EINE RÄTSELHAFTE FRAU -- Neues Buch: "Fulvia" von Jane Draycott im Piper Verlag

August 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Die Historikerin Jane Draycott (Universität Glasgow) erzählt hier einfühlsam von der Frau, die im alten Rom alle Regeln brach. Fulvia war dort wohl die meistgehasste Frau. Sie erlangte politischen Einfluss wie keine Römerin vor ihr. Hier wird das Porträt einer Frau gezeichnet, die nicht gefallen wollte, sondern ihr Leben und ihren Aufstieg selbst gestaltete.

© Piper Verlag

Das geschieht in jedem Fall abwechslungsreich und spannend, Langeweile kommt nicht auf. Sie wird 83 v. Chr. in eine privilegierte römische Familie hineingeboren. Und durch den klugen Einsatz ihres Reichtums erlangt sie ein Maß an militärischer und politischer Macht, das beispiellos ist. Auffallend ist auch der trockende Humor der Autorin, der immer wieder hindurchschimmert. Dreimal heiratet sie Männer aus den höchsten Einflusskreisen, darunter Marcus Antonius, den späteren Geliebten Kleopatras. Sie kämpft gegen die römische Männerherrschaft, zahlt dafür jedoch einen hohen Preis. Das wird in atemloser Weise geschildert. Die Zerstörung ihres Rufs steht dabei im Zentrum - ein Ereignis, das die Autorin Jane Draycott akribisch nachzeichnet. 

Cicero erweist sich dabei als einer ihrer Hauptgegner, den sie teilweise erfolgreich bekämpft. Viele Quellen berichten über Fulvia, die hier facettenreich und spannend aufgerollt werden! "Warum sollte Fulvia also denen vergeben, die sie und ihre Kinder terrorisierten, den Mord an ihrem ersten Ehemann guthießen und ein Komplott schmiedeten, um ihren dritten Ehemann zu ermorden?" fragt die Autorin. "Liegt es daran, dass wir von Frauen ein besseres oder zumindest anderes Verhalten erwarten als von Männern?" Auch die seltsamen Ehen Fulvias mit ihren Männern als so genannten "Volkstribunen" wird immer wieder facettenreich beleuchtet. Nach der Ermordung des Clodius stand auch Antonius im Fadenkreuz der Geschichte: "Die Ehe zwischen Fulvia und Antonius galt als anrüchig, da Antonius einen zweifelhaften Ruf genoss. Über seine verschwendete Jugend wissen wir erstaunlich viel, da Cicero in seinen Philippiken - einer Reihe von vierzehn Reden und Pamphleten, die er nach der Ermordung Cäsars auf dem Höhepunkt seiner Fehde mit Antonius zwischen 44 und 43 v. Chr. veröffentlichte - als Waffe nutzte." 

Klar wird bei der Lektüre in jedem Fall, dass Jane Draycott Fulvia immer wieder verteidigt und in Schutz nimmt - man kann dazu stehen wie man will. Als sie ohne männlichen Schutz dasteht, wird ihr Vermögen beschlagnahmt. Draycott unterstreicht: "Fulvia konnte niemand je Schüchternheit oder Zurückhaltung nachsagen. In dieser Situation erwiesen sich ihr Mut und ihr Durchsetzungsvermögen als entscheidender Vorteil." Ein Höhepunkt dieses Bandes ist die Eskalation ihrer Auseinandersetzung mit Cicero, der sie als ebenso habgierige wie grausame Frau bezeichnete: "Sie empört sich über seine 'hasserfüllte Rhetorik', befiehlt Antonius, seine Feinde - angefangen von Cicero - zu töten und dessen Kopf und Hände im Forum auszustellen." Jane Draycott bezeichnet Fulvia abschließend als vorbildliche römische Matrone, die das Ansehen ihrer Familie wieder hergestellt habe. 

Das Buch liest sich spannend wie ein Krimi und besitzt kaum Schwächen. Empfehlenswert!

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