Mit seiner zweiten Sinfonie hat dieses bedeutende Werk manche Berührungspunkte, was man bei der sensiblen Wiedergabe im Forum am Schlosspark heraushörte. Die lyrische Gelöstheit dieses Konzerts trat hier in bewegender Weise hervor - auch die Nähe zu Beethovens Violinkonzert hinsichtlich Gedankenernst und Gefühlswärme machte sich bei der konzentrierten Interpretation bemerkbar. Im von Joseph Joachim kontrollierten Solopart trat manche Vertracktheit hervor. Das Hauptthema Allegro non troppo durchmaß leidenschaftlich den D-Dur-Dreiklang. Männlicher Ernst, Kraft und Gefühl strömten aus einer Ruhe, die von stiller Freude gleichsam leuchtete. Da passten Soloinstrument und Orchester auch wunderbar zusammen. Die große Ausdrucksfülle wurde dann barsch von einem gezackten Seitenthema unterbrochen. Gelassen und souverän zugleich glättete die Solistin Maria Duenas mit ihren virtuosen Improvisationen diese schroffe Stimmung. Aufleuchtend setzte sie das Kopfthema wieder ein, man hörte zart eine Erinnerung an das umgekehrte Motto der dritten Sinfonie von Brahms - und dann war das anmutige Seitenthema wieder in reizvoller Weise erkennbar. Die Durchführung verarbeitete dieses Thema konsequent, was man bei dieser kompakten Wiedergabe deutlich erkennen konnte. Das Hauptthema kehrte dann in makelloser Schönheit wieder, es wirkte warm und mild entrückt. Energisch erklang der anfeuernde Schluss. Die schlichte Melodie des zweiten Satzes wurde von Maria Duenas mit seinem tiefen Gefühl voll erfasst. Friedvoll und still strömte diese Melodie dahin, drängende Unruhe meldete sich im Mittelteil. Sie entschwebte dann sphärenhaft in der Höhe. Sehr erdnah wurde zuletzt das Schlussrondo Allegro giocoso, ma non troppo vivace interpretiert. Das kaum gezügelte Temperament leuchtete mit seinem ungarisch gewürzten Hauptthema hervor. Und die virtuos gehaltene Solostimme beschrieb die lebhaft vorwärtsdrängende Triolenvariante des Hauptthemas eindrucksvoll.
Anschließend war noch eine hervorragende Wiedergabe der Sinfonie Nr. 2 in e-Moll op. 27 von Sergei Rachmaninow zu hören, wo die umsichtige Dirigentin Elim Chan den rhapsodischen Grundzug und die melancholische Lyrik mit dem European Union Youth Orchestra prunkhaft glitzernd herausarbeitete. Doch die Melancholie wurde hier nicht übertrieben betont, sondern dezent eingefangen. Die emotionale Zerrissenheit Rachmaninows machte sich bei dieser ausgezeichneten Interpretation ebenfalls deutlich bemerkbar. Kaskaden, Kadenzen und dunkle Themen ergänzten sich in leidenschaftlicher Rasanz und opulenter Fülle. Eine Sologeige trat in bewegender Weise hervor. Exzellent musiziert wurde hier auch der stürmische zweite Satz mit seinem schwärmerischen Seitenthema. Choralklänge traten erhaben hervor. Das ausdrucksvolle Hauptthema meldete sich im dritten Satz, die Klarinette und die Violinen nahmen berührend das Thema auf. Auch der bombastische Marsch im letzten Satz wirkte keineswegs oberflächlich, sondern ging ganz in die Tiefe. Ovationen und Jubel für diese meisterhafte Interpretation! Als Zugabe war unter anderem noch ein bewegender Ausschnitt aus Edward Elgars "Enigma Variationen" zu hören.


