Auch die bekannte Melodie des Largo ma non tanto wird hier bis auf den Urgrund ausgeleuchtet. Die kühne technische Konstruktion dieses Satzes mit ihren sich hochrankenden beiden Solostimmen gelingt sehr überzeugend. Zur Sphäre des Largo steht das abschließende Allegro in betontem dynamischem Gegensatz. Das Kopfthema wirkt hier düster-entschlossen, ohne jedoch in der Folge mildere und gefühlvolle Töne zu unterdrücken. Aus der berühmten Orchestersuite Nr. 3 in D-Dur von Johann Sebastian Bach erklingt sphärenhaft-leicht die Liedmelodie des Air, die die Violinen bewegend über dem ruhig schreitenden ostinatoartigen Bass allein auskosten.
Das Violinkonzert Nr. 1 in a-Moll BWV 1041 von Bach besticht mit seinem selbstbewusst-energischen Thema im Kopfsatz. Die Solovioline entdeckt dabei überraschend einen schmerzlichen Zug, dem sie nachspürt, bevor sie in die Anfangsstimmung einlenkt. Noch stärker im Stimmungsausdruck wird dann das Andante gestaltet, das in seinem ostinat sich behauptenden Bassthema ebenso fest wie elastisch verankert ist. Über diesem seltsam bohrenden oder wie in Ketten rüttelnden Bassmotiv entfaltet sich die Melodielinie der Solovioline mit leidvoller Intensität. Demgegenüber macht das Allegro assai aus seinem leichtgeschürzten Tanz-Charakter kein Hehl. Als fast atemlose Courante jagt es dahin und versteht sogar seiner Neigung zum Fugato spielerisch-locker nachzugehen.
Das Konzert für Oboe und Violine in c-Moll gewinnt in dieser Wiedergabe plastische Transparenz. Es ist identisch mit dem c-Moll-Konzert für zwei Klaviere. Man kann sagen, dass Max Schneiders Rückübertragung für Violine und Oboe oder zwei Violinen dem melodischen Fluss zumal des stimmungsvollen Adagio-Mittelsatzes schöner gerecht wird als Bachs Klavierfassung. Das erste Allegro entwickelt sich forsch aus dem straffen, kernigen Kopfthema. Das Adagio beherrscht einen Melodietyp, der ähnlich auch dem "Air" der D-Dur-Suite zugrunde liegt. Dies kommt hier sehr schön zum Ausdruck. Recht effektvoll ist außerdem das abschließende Allegro mit seinem forschen Schwung! Frauke Tautorus (Oboe) glänzt mit fragilen und virtuosen Kantilenen.
Beim Konzert für drei Violinen in d-Moll BWV 1064 von Bach musizieren Elsa Claveria, Friederike Jahn und Darius Kaunas (Violinen) wie aus einem Guss.
Aufgrund des transparenten Klangbilds ist dieses CD sehr zu empfehlen!


