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DIE VIOLINE SINGT -- Ludwigsburger Schlossfestspiele: Hilary Hahn und die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

am 26. Juli 2026 im Forum am Schlosspark LUDWIGSBURG

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Was für ein überwältigendes Konzerterlebnis! Unter der inspirierenden Leitung des israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber wurde die Dämonie der "Don Giovanni"-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen auf den Punkt gebracht. Die düstere und langsame Einleitung beschwor die überirdischen Mächte herauf, das drohende Schicksal in Gestalt des Steinernen Gastes zeigte sein finsteres Gesicht.

© Chris Lee & Oliver Killig: Hilary Hahn und Omer Meir Wellber

Starre Synkopen, grelle Sforzati und das unheimliche Tremolo der Bratschen ergänzten sich gespenstisch. In erregendem Forte ballten sich überirdische Mächte zusammen. Aus einem plötzlichen Piano entstand im Allegro vorwärtsdrängend das Hauptthema mit dem Nachklang in den Bläsern. In herrischen Unisono-Schritten trat das zweite Thema auf. Und in der breit angelegten Durchführung wurden die Themen brillant gegeneinander ausgespielt und miteinander verbunden. Ungestümer Lebensdrang triumphierte! 

Anschließend bot die Geigerin Hilary Hahn eine hervorragende Interpretation des Konzerts für Violine und Orchester Nr. 1 in g-Moll op. 26 von Max Bruch. Von den drei Sätzen gingen hier der erste im Vorspiel und der zweite als Adagio eindrucksvoll ineinander über. Und Hilary Hahn kostete die Kantilenen leidenschaftlich aus. Die Themen des eröffnenden Allegro moderato hatten "Vorspiel"-Charakter, sowohl das energischere  erste wie das sehr lyrische zweite. Hinsichtlich Instrumentation und Satzkunst kam es mehrfach zu eindrucksvollen Steigerungen - und der abwechslungsreiche Solopart wurde von Hilary Hahn großartig gestaltet. Und auch die überwältigende Melodienfülle des Adagio kam nicht zu kurz. Die Virtuosität des Finales Allegro energico blitzte überall auf. Hier riss sogleich das erste Thema das Publikum total mit - ein Gemisch aus tänzerischem Schwung und vorwärtsdrängender Kraft. Der geigerische und an Brahms geschulte Impetus stach überzeugend hervor. Prunkvoll schloss sich das kontrastierende zweite Thema an. Ein Höhenfeuerwerk der Virtuosität! 

Von der usbekisch-deutschen Komponistin Aziza Sadikova erklang "Labyrinthe du Temps" als Konzert für Violine, Akkordeon und Orchester, wo Hilary Hahn von Geir Draugsvoll am Akkordeon einfühlsam und virtuos begleitet wurde. Unkonventionelle Instrumentaltechniken und Experimente mit Elementen des Musiktheaters zeigten sich auch bei der gelungenen Wiedergabe mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Omer Meir Wellber. Es handelte sich hier um eine suggestive Reise durch die Zeit mit Glissando-, Tremolo- und Staccato-Effekten. Zeitgenössische Klangwelten paarten sich mit barocker Magie und Eleganz. Der vergangene Klang dieser Stimmen, das Rascheln von Kleidern und Samtanzügen schien hörbar zu werden. Die Intervallspannungen der Violine wirkten dank der konzentrierten Wiedergabe von Hilary Hahn faszinierend. 

Zuletzt folgte eine stürmisch-atemlose Wiedergabe der Sinfonie Nr. 4 in d-Moll op. 120 von Robert Schumann. Wie stark die vier Sätze hier miteinander verknüpft sind, machte die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter Omer Meir Wellber ausgezeichnet deutlich. Die in ihrem formalen Aufbau aufgeweichte Sinfonie besaß bei dieser Wiedergabe deutlich den Charakter einer Fantasie. Die Einleitung erinnerte an die zeitlich benachbarte zweite Sinfonie von Schumann mit ihrem Suchen und ihrer Gedrücktheit. Dann verdichteten sich die Energien, in den Violinen formte sich eine kurze Figur, die für die ganze Harmonik wichtig wurde. Das lebhafte Hauptthema dieses Satzes konnte sich voll behaupten. Trotz seiner jugendlich vorwärtsdrängenden Kraft war es unter Omer Meir Wellber ungemein wandlungsfähig und konnte beinahe jede Spannung spiegeln. Daher behauptete es sich unter den reichlich auftauchenden Gegenstimmen hier stets als tonangebend und rebellierte  auch gegen ein auffallendes Holzbläser-Motiv, das kurz nach Beginn der Durchführung auftauchte. Diesem Motiv antwortete eine schön-geschwungene Violinmelodie. Ein jäher Akkord in der Grundtonart folgte, dann war in der Oboe der schwermütig-liedhafte Gesang einer Romanze zu hören. In dieses wehmütige Traum-Idyll platzte dann das Scherzo hinein! Sein Thema hatte bei dieser Wiedergabe einen fast sarkastischen Humor. Es wurde aus dem Holzbläser-Thema des ersten Satzes gewonnen. Den Zauber der Violinromanze beschwor nochmals das Trio. Das Kopfthema des ersten Satzes löste sich aus geheimnisvollem Raunen - dann stand das Hauptthema des Finales in elastischer Energie da. Das Material des ersten Satzes hatte hier neue Bewährungsproben zu bestehen! Die Coda führte dann einen neuen Finalgedanken ein. Und der mitreissende Schluss ließ noch einmal den Trio-Gedanken anklingen. 

Riesenjubel. Als Zugabe war der reizvoll-tiefgründige zweite Satz aus Mozarts erster Sinfonie zu hören. 

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