Vor allem das Finale mit seinen unglaublichen 822 Takten leuchtet grell hervor. Die Auflösung der herkömmlichen Sonatenform zeigt bei dieser Wiedergabe besondere Prägnanz. Die in der Einleitung exponierten Motive werden zu Themen kombiniert und variiert. Zwei unheimliche Hammerschläge und der ersterbende Pianissimo-Ausklang verdeutlichen, dass der Untergang des Protagonisten im Mittelpunkt steht. Zuvor straffen sich Marschthemen leidenschaftlich im Vorwärtsdrängen. Und wenn einer breit strömenden Melodie ein verheißungsvoller Aufschwung geglückt ist, fällt mit brutaler Wucht der Hammer.
Sehr stark im Kontrast steht bei dieser gelungenen Einspielung der stürmisch interpretierte erste Satz, der in der strengen Sonatenform erscheint, wo Herdenglocken den Gipfel des Aufschwungs verdeutlichen. Wenn ein Choral und darauf das schwungvolle zweite Thema einsetzen, so wird deutlich, dass bei Mahler das Thema wichtiger ist als dessen Substanz. Die Exposition wird triumphal wiederholt - und in den erregenden Klängen der Durchführung bricht stürmischer Jubel aus! Auch das düster-bizarre Scherzo des dritten Satzes fesselt den Hörer, während der zweite Satz als leidenschaftliches Andante in Es-Dur überzeugt. Klangwunder und Entrückungsvisionen könnten hier sogar noch stärker ins Zentrum rücken. Die Liedmelodie zeigt viele Klangfarben. Die Wucht des Scherzos hebt über Paukenschlägen an und prallt auf das Dur-Moll-Motto aus dem ersten Satz.
Der Schluss droht mit einer dunklen Frage. Ecken und Kanten eines großen Komponisten treten bei dieser Aufnahme mit unvermittelter Härte hervor - aber auch die lodernde Glut und Leidenschaft dieser Musik kommen nie zu kurz. Empfehlung.

