Vincent Kusters (Bariton) und Charlie Bo Meijering (Klavier) interpretieren hier zunächst "Hors du Temps". Die drei Lieder "Elevation" nach Charles Baudelaire, "Profondeur" (nach Rollin Cochrane) sowie "Le piano que baise une main frete" nach Paul Verlaine sprechen eine ganz unverwechselbare Klangsprache. Der unbegrenzte Geist lässt sich dabei auf endlose Harmoniefolgen ein. Irdische Schranken werden auch bei Verlaines wehmütigem Gedicht aufgehoben. Die Kantilenen des Baritons scheinen frei im Raum zu schweben.
In die Welt Spaniens taucht man dann bei "Noches" aus dem Jahre 2006 ein, wo Anna Sophia Theil (Sopran) zusammen mit Martijn van Sas (Klavier) brilliert. Beim ersten Lied sucht Luis de Gongora in der Betrachtung der Sterne nach dem Wesen der Zeit. Im zweiten ruft Federico Garcia-Lorca in der Nacht verzweifelt den Namen der Geliebten. Auffallend sind hier die elektrisierenden Intervallspannungen, die einen weiten dynamischen Bogen besitzen. Das dritte Gedicht "Noche oscura" von Juan de la Cruz vereint auf magische Weise Mystik mit Sinnlichkeit. Es berührt den Hörer zutiefst.
Zacharias Galaviz-Guerra (Bariton) und Clara Murnig (Klavier) interpretieren dann ausdrucksstark "The Dear Love of Comrades" (2004) nach Gedichten von Walt Whitman. Die Brüderlichkeit des Menschen steht im Mittelpunkt und wird von Detlefsen in bewegender Weise vertont. Die beiden ersten der vier Gedichte feiern die Liebe zwischen Männern. Das dritte Gedicht schildert eine flüchtige Begegnung mit einer fremden Person, wobei die Musik manchmal auch fragmentarischen Charakter hat.
Die versierte Altistin Feride Büyükdenktas und der Pianist Hedayet Jonas Djeddikar interpretieren anschließend "Of Love and Life" (2021), wo amerikanische und englische Dichter vereint werden. Neben der großen Lyrikerin Emily Dickinson finden sich dabei auch Texte von Edward Lear, E.E. Cummings und Christina Rossetti. Bei Dickinson steht das Bekenntnis des erotischen Verlangens einer Frau im Mittelpunkt. Reizvolle Miniaturen beherrschen die komisch-absurden Verse von Edward Lear. Melancholisch wirken die Songs nach Christina Rossetti.
Ein Höhepunkt ist auf dieser CD zweifellos der Liedzyklus "Von anderen Zeiten" (2019) mit Ulf Bästlein (Bass-Bariton) und Hedayet Jonas Djeddikar (Klavier). Von der Romantik geht es über Rilke, Hesse bis zu Lasker-Schüler, Kaschnitz und Nelly Sachs. Starke dynamische Kontraste stehen dabei im Mittelpunkt. Die Erhabenheit Rilkes korrespondiert mit dem verspielten Humor und der Verzweiflung einer späten Lasker-Schüler. Nelly Sachs gibt sich hier hoffnungsvoll. Auffallend ist bei Detlefsen die flexible Rhythmik, wobei Phrasen sich durch Addition und Subtraktion kleiner Notenwerte organisch ausdehnen. Musik von Cage, Stockhausen, Xenakis und Olivier Messiaen hat Hans Christian Detlefsen ebenfalls beinflusst.
Empfehlenswert!


