Bei der Suite für Violine und Streichorchester d-Moll op. 17 von Jean Sibelius blitzten glühende Klangfarben hervor. Melodische Schlichtheit, lyrische Schönheit und Eleganz strahlten bei diesem im Jahre 1929 entstandenen Spätwerk auf. Die harmonische Durchsichtigkeit des Orchestersatzes entfaltete sich aufgrund der spieltechnischen Perfektion des Württembergischen Kammerorchesters Heilbronn in bestechender Weise. Die verschiedenen Themen waren in ihrem Stimmungsgehalt nah miteinander verwandt, wirkten sehr nordisch in ihrer holzschnittartigen Herbheit. Und das subtile Violinspiel von Ragnhild Hemsing entfaltete einen geradezu sphärenhaften Zauber.
Jean Sibelius' Streichquartett d-Moll op. 56 "Voces intimae" erklang hier in einem stilvollen Arrangement für Streichorchester von Georg Oyen. Die Motive wurden dabei in vielen Wandlungen immer wieder wiederholt. Zarter Verhaltenheit folgten jähe Ausbrüche! Ragnhild Hemsing musizierte dabei mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn wie aus einem Guss. Als letzter romantischer Sinfoniker sprach Sibelius hierbei eine unverwechselbar eigene Klangsprache voller Tiefsinn. Landschaft und Sagen seiner finnischen Heimat wurden so lebendig. Dunkle Farben ergänzten die ausgeprägte Dur- und Moll-Harmonik in eindringlicher Weise. Schwermütige Melodik und hymnische Übergänge standen dicht beieinander. Den einleitenden Dialog zwischen Violine und Violoncello verband eine innige Intensität - und das kurze Vivace leitete zum optimistischen Adagio di molto über. Modulationen von F-Dur nach f-Moll und Es-Dur prägten sich beim Hörer tief ein - und die Unterbrechung mit drei e-Moll-Akkorden als "Innere Stimmen" ("Voces intimae") wirkten einschneidend.
Im zweiten Teil begeisterte dann die vitale Wiedergabe von Edvard Griegs Suite im alten Stil op. 40 "Aus Holbergs Zeit", wo das Württembergische Kammerorchester Heilbronn zusammen mit Ragnhild Hemsing einmal mehr glänzte. Dieses Werk wurde zum zweihundertsten Jubiläum des nordischen Dichters Ludwig Holberg geschrieben. Es ist eine bewundernswert echt anmutende Barock-Kopie - die nordische Note strahlte auch bei dieser Wiedergabe als Ehrerbietung vor Händel auf. Beglückend wirkte vor allem auch die Wiedergabe der Suite aus "Peer Gynt" op. 23 von Edvard Grieg in einem Arrangement für Hardangerfiedel und Streicher von Tormod Tvete Vik. Die bunten und fesselnden Tonbilder wurden von Ragnhild Hemsing zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn in ausgezeichneter Weise betont. Das pastorale Bild der "Morgenstimmung" brachte die glasklare Stimmung des Gebirges in der Frühe auf den Punkt. Die Streicher führten das Thema weiter zu großer Steigerung. Leise Triller und zartes Verklingen folgten. "Anitras Tanz" faszinierte mit einem graziös trippelnden Thema sowie einem sinnlichen Mittelsatz. Orientalisches Kolorit schimmerte durch! Schwungvoll kam der "Norwegische Brautzug im Vorüberziehen" daher. Gedämpfte Streicher beschrieben eindringlich "Ases Tod". Peer Gynts Mutter starb einen ruhigen, schönen Tod. Das aufsteigende Motiv in trauernder Würde wurde von einer schmerzlich sinkenden chromatischen Tonfolge ergänzt. Schwere Rhythmen eines Trauermarsches herrschten vor. Ragnhild Hemsing ließ die Hardangerfiedel in verschiedenen Schattierungen aufblühen. Das viertaktig-wiegende Motiv von "In der Halle des Bergkönigs" wurde markant musiziert. Der stampfende Rhythmus und das Tempo steigerten sich immer mehr.
Jubel, Begeisterung.

