Gleich am Anfang begeisterten Johannes Schöne (21), Jascha Krams (24) und Arthur Popescu (24) aus der Klasse von Dominik Wagner beim hoch virtuosen Konzert für Kontrabass und Orchester Nr. 2 in h-Moll von Giovanni Bottesini. Hier begleitete sie die Philharmonie Baden-Baden unter der inspirierenden Leitung von Heiko Mathias Förster höchst einfühlsam. Die Motive und thematischen Verbindungslinien wurden in facettenreicher Weise offengelegt. Gerade der zweite Satz blühte mit seiner ausdrucksvollen Melodik in besonderer Weise auf. Die spätromantischen Passagen beim Cellokonzert in e-Moll op. 85 von Edward Elgar wurden von Jingzhi Zhang (21) aus der Klasse von Thomas Carroll beim ersten und zweiten Satz voller Emphase und leidenschaftlicher Musizierfreude erfasst. Auch Jungyoon Lee (25) und Hana Rabadan (19) aus derselben Klasse gestalteten die weiteren Sätze dieses Meisterwerks überaus ausdrucksvoll und mit leidenschaftlicher Hingabe. Die Anklänge an Wagner und Liszt zeigten sich nicht nur bei den stark chromatischen Passagen. Ein Höhepunkt war die hervorragende Wiedergabe von William Waltons Konzert für Viola und Orchester - ein Werk, das bei uns recht unbekannt geblieben ist. Dass eine widerspenstige Saite Benjamin Phoon (27) aus der Klasse von Mate Szücs im ersten Satz einen Strich durch die Rechnung machte, minderte die Leistung nicht. Heiko Mathias Förster gelang es, die breite und harmonisch vielschichtige Orchesterpalette mit der Philharmonie Baden-Baden geradezu magisch und höchst emotional heraufzubeschwören!
Das kam auch den weiteren Solisten Goeun Park (26) im zweiten und Cassandra Teissedre (23) im kontrapunktisch reichen dritten Satz zugute, die ihre virtuosen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten (ebenfalls aus der Klasse von Mate Szücs). Einflüsse von Elgars Cellokonzert zeigten sich ebenso wie die von Prokofjew und Hindemith, der das Werk übrigens spielte. Vor allem im Finale fiel die Walton-Fugalbehandlung auf, die in einer machtvollen Coda gipfelte und der Solistin reiche virtuose Möglichkeiten bot. Das erste Thema wurde vom Fagott angestimmt, dann behauptete sich die Viola einfühlsam über einer Pizzicato-Bassbegleitung. Lara Eberitzsch (15) aus der Klasse von Mikhail Ovrutsky interpretierte gefühlvoll den ersten Satz aus Max Bruchs Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll op. 26. Die Themen des eröffnenden Allegro moderato hatten hier wirklich "Vorspiel"-Charakter, sowohl das energischere erste wie das sehr lyrische zweite. Als Meister der Instrumentation und Satzkunst wurde Bruch dabei von der glänzend musizierenden Philharmonie Baden-Baden unter Heiko Mathias Förster präsentiert. Die eindrucksvollen Steigerungen des abwechslungsreichen Soloparts wurden hervorragend ausgekostet. Auch Andre Wintgens (18) wurde der Melodienfülle des Adagio ebenso gerecht wie Sophie Branson (20) der vorwärtsdrängenden Kraft des Finales (beide ebenfalls aus der Klasse von Mikhail Ovrutsky).
Jubel für alle Beteiligten. Verliehen wurden an diesem Abend neben dem Förderpreis des Oberbürgermeisters der Stadt Baden-Baden Thomas Jung auch der Preis der Brahmsgesellschaft, der Arndt-Joosten-Preis, der Werner-Stiefel-Preis, der Carl-Flesch-Preis und der Stennebrüggenpreis. Man kann der Carl-Flesch-Akademie für die nächsten Jahre nur gutes Gelingen wünschen!

