Die musikalische Leitung hat Heiko Giering. Die Frage steht im Raum, wie es sich denn anfühlen würde, wenn plötzlich nichts mehr entsteht, die Realität einfach verschwindet. Und was würde passieren, wenn es einfach so wie bisher nicht weitergehen würde. Die Lage wäre in der Tat so dramatisch, dass 16 junge Erwachsene die Oper erobern müssten. So entsteht hier ein Schauplatz der großen Gefühle. Diese Protagonisten verhandeln auf der Bühne immer wieder ihr eigenes Dasein. Szenen brechen ab, Diskussionen entstehen live, Übergänge scheitern bewusst. Das macht auch den dramaturgischen Reiz dieser ungewöhnlichen Produktion aus. Man stirbt im wahrsten Sinne des Wortes "Bühnentode".
Es entsteht eine durchaus reizvolle Mischung aus Opernparodie, Gruppentherapie, Popkonzert und Rückzugsraum. So handelt es sich tatsächlich um keine "Gegenwartsbewältigungsoper". Alle Songs sind von den Teilnehmern selbst geschrieben worden, die Texte werden collageartig zusammengesetzt. Wie kommt die Gruppe dann überhaupt miteinander klar? Da gibt es Überforderung, Depression, Traurigkeit, Wut, Rückzug, digitale Ablenkung und das Bedürfnis nach Nähe. Die sprachlosen Emotionen des Alltags beherrschen die Szenen. Und der Begriff "Oper" wird im Lauf des Stücks neu definiert als "Organischer Persönlicher Emotionaler Rückzugsraum". Diskussionen über Handys, eine Riesenpizza auf der Bühne (deren Teile sich die Darsteller aneignen), TikTok-Logiken und seltsame Alltagsbeobachtungen wechseln sich facettenreich ab. Das Stück arbeitet stark chorisch. Songs, Bewegungsmaterial, Textflächen, Listen, Diskussionen und Soli wechseln sich rasant ab! Alltag, Sommer, Menschen auf der Straße und Bewegungsflächen beherrschen den mit Nebel und felsenartigen Skulpturen angereicherten Bühnenraum. Was kommt danach? Wie entwickelt sich das Leben für die Jugend weiter? Wie wollen wir überhaupt leben? Diese Fragen brennen allen auf der Zunge.
Die Ausstattung wird in Kooperation durch das studio RINGGRRRING gestaltet (Nele Schiller & Kathrin Frech). Chloe Beillevaire, Kevin Carmine Borriello, Steven Chotard, Nora Fahrenholz, Mara Feil, Kathrin Frech, Linus Frey, Lisa Fühl, Isabelle von Gatterburg, Heiko Giering, Felix Horn, Ronja Jagdfeld, Simon Kubat, Nicki Liszta, Peter Luttringer, Paulina Mandl, Merrit Narr, Alicia Oetjens, Jele Prönneke, Isabel Ried, Cosima Rückold, Sophia Sadzakov, Lena Schaal, Nele Schiller, Moana Schleier, Felix Stark, Franziska Stulle, Emma Sulz, Siri Thiermann und Cornelia Weisbarth wachsen zu einer bemerkenswerten Einheit zusammen. Manchmal wünscht man sich auch noch einen dichteren dramaturgischen Faden und Zusammenhang, doch das Nachdenken über den Sinn der Oper im allgemeinen besitzt hier originelle Aspekte. Die Zuschauer dürfen sich sogar mit Naschereien bedienen: "Sie dürfen schreien!"
Entsprechend viel Zustimmung beim Publikum, auch "Bravo"-Rufe.


