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EINE WAHRE RARITÄT -- Johann Simon Mayr: Giuseppe (Oratorium) bei Naxos

Juli 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Wer war Johann Simon Mayr? Ein interessanter Komponist geistlicher Werke allemal. Diese Weltersteinspielung ist eine wahre Entdeckung! Im Jahre 1829 komponierte Mayr das Oratorium "Giuseppe" für die Abschlussakademie seiner Musikschule Lezione Caritatevoli in Bergamo, bei der Studenten des Instituts ihre Fähigkeiten vor einem breiten Publikum präsentieren konnten. Das Werk erklang erstmals am 11. September 1829 im Teatrino di Rosate, eine 1824 veröffentliche Spieltstätte in Bergamo, die Platz für etwa 600 Besucher bot und die bereits 1845 wieder abgerissen wurde.

© Naxos

Die Aufführung wurde, wie im lokalen Blatt erwähnt, von hochgestellten Persönlichkeiten der Stadt besucht. Anregungen erhielt Mayr von der damals populären Oper "Joseph", einem Meisterwerk von Etienne-Nicolas Mehul (1763 bis 1817), das auf einem Libretto von Duval basiert und das 1807 an der Pariser Opera Comique aufgeführt wurde. Mayr folgt in seinem Arrangement, einem sogenannten Pasticcio, grundsätzlich dieser Anlage. Von einer szenischen Darstellung ist auch in Bergamo auszugehen. Gebete und Hymnen beherrschen die Oper von Mehul. Mayr hat Solonummern in den Ablauf eingebunden - ein Duett, zwei Terzette und zwei Chöre. 

Johann Simon Mayr spielt in seinem Werk auf populäre Melodien seiner prominenten Zeitgenossen an: Im ersten Akt stammen die Vorlagen aus der Feder des Mayr-Schülers Gaetano Donizetti. Von Gioachino Rossini hat Mayr sogar zwei Arien aus dessen Oper ""Mose" einfallsreich bearbeitet. Und im Finale III zitiert Mayr aus seinem eigenen Oratorium "Atalia". Auch eine Partie aus Vincenzo Bellinis Oper "Bianca e Fernando" hat Mayr hier übernommen. 

Trotzdem besitzt dieses Werk eine erstaunliche Eigenständigkeit und  originelle harmonische Klarheit der Formen und Strukturen. Es umfasst drei Akte. Das Libretto beruht auf der im 18. Jahrhundert oft vertonten Episode  der Joseph-Geschichte im Alten Testament. Vater Jakob hatte zwölf Söhne. Die Jüngsten wurden von seiner Frau Rachel geboren: Joseph und Benjamin. Seine Brüder hatten Joseph als Sklaven nach Ägypten verkauft. Dort erwarb er die Gunst des regierenden Pharao. Zuletzt bietet der Pharao Josephs Familie eine Heimat an. 

Das Concerto de Bassus bietet hier unter der inspirierenden  Leitung von Franz Hauk eine bewegende, harmonisch vielschichtige Wiedergabe voller Klangfarbenreichtum. Markus Schäfer (Tenor) zeichnet Giuseppe mit schlanken Kantilenen und manchmal etwas beengter Höhe nach, Freya Apffelstaedt (Alto) interpretiert Benjamino mit reicher Charakterisierungskunst. In weiteren Rollen überzeugen Philipp Polhardt (Tenor) als Utoban, Niklas Mallmann (Bass) als Simeone, Matthias Hoffmann (Bass) als Giacobbe, Fang Zhi (Tenor) als Ruben sowie Konstantin Igl (Tenor) und Micha Matthäus (Bass-Bariton) als Neftali. Vor allem imponiert hier der Simon Mayr Chor aufgrund seiner vokalen Strahlkraft. Auffallend sind immer wieder die reichen Verzierungslinien bei dieser Musik. 

Hörenswert.

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