Zunächst interpretierte das Ensemble meisterhaft das Klarinettenquintett in B-Dur op. 34 von Carl Maria von Weber. Bei der Sonatensatzform des Kopfsatzes konnte die Klarinettistin mit chromatischer Brillanz glänzen. Das sich aufbäumende Streichermotiv fiel hier besonders ins Gewicht. Ein Feuerwerk der Kaskaden, Girlanden und Arabesken! Im Menuett, bei der expressiven Fantasia und im Finale kam es zu explosionsartigen Passagen, die die spieltechnischen Finessen der Klarinette im höchsten Glanz erstrahlen ließen. Intervallsprünge und höchst differenzierte Dynamik bereicherten sich gegenseitig mit atemloser Rasanz. Scharfe Akzentuierung und einfühlsame Kantilenen ergänzten sich gegenseitig in wunderbarer Weise. Am 13. April 1813 überreichte Carl Maria von Weber die ersten drei Sätze dieses besonderen Solokonzerts einem "Clarinettgenie", dem exzellenten Klarinettisten Heinrich Baermann.
Sehr melodiös und ausdrucksstark war außerdem die einfühlsame Interpretation des wertvollen Klarinettenquintetts in h-Moll op. 115 von Johannes Brahms, wo Sharon Kam alle Register zog. Klangsinnlich und expressiv war diese Wiedergabe allemal. Die variative Verknüpfung aller Sätze verlief hier überaus glanzvoll. Der erste Satz überzeugte mit seinen federleicht musizierten Motiven, deren kantable melodische Entfaltung sofort ins Gemüt ging. Auch das rhythmisch pointierte zweite Thema fesselte hier die Zuhörer. Die Durchführung verarbeitete die Themen bei dieser sensiblen Wiedergabe ebenfalls ausgesprochen raffiniert. Melodisch-kontrapunktisch entfaltete sich das erste Thema in reichem Maße. Das zweite Thema überzeugte in feierlichem Des-Dur. Und die Staccato-Artikulation verwandelte sich facettenreich in ein bewegend gestaltetes Legato. Die Coda klang mit dem zweiten Motto-Gedanken überzeugend aus. Einfühlsam wurde dann auch das Adagio gestaltet, wo die Klarinette wieder in überwältigender Weise die Führung übernahm. Sharon Kam kostete alle klangfarblichen Reize hier überaus sensibel aus. Die extremen Möglichkeiten des Instruments wurden allesamt in imponierender Weise betont. Und der Hauptteil entwickelte sich zu einer elegischen Kantilene. Und auch die Coda besaß große Variationsreize. Die zigeunerische Klarinetten-Passage wirkte ausgesprochen elektrisierend! Beim Andantino in D-Dur war Sharon Kam ebenfalls in ihrem Element. Dem einfühlsam musizierten Thema folgte ein ausgedehntes Scherzando. Und das temperamentvoll gespielte Finale entfaltete eine eigene Variationenfolge. Der Schluss leitete dann zur Coda als einem ergreifend-berührenden Abgesang über.
Als Zugabe war noch das "Abendlied" von Robert Schumann in einer berührenden Bearbeitung von Ferrucio Busoni zu hören. "Bravo"-Rufe, Begeisterung!


