Auf das Allegro agitato in d-Moll folgte ein Adagio in Es-Dur - und auf das rasant musizierte Scherzo in g-Moll ein stürmisch gespieltes Rondo-Finale, das seinesgleichen suchte. Der Einfluss Beethovens war deutlich herauszuhören. Das thematische Material triumphierte in variierter und weiterentwickelter Form. Die beiden Durchführungen des Satzes wurden sehr konsequent gestaltet. Das erste Thema wurde sequenzierend zwei Mal einen Ton höher wiederholt. Und das synkopisch herabsteigende zweite Thema gestalteten Lisa Batiashvili und Nino Gvetadze sehr bewegend. Und in der ersten Durchführung wurden diese beiden Themen kühn miteinander verbunden.
Das Schumann Quartett mit Erik und Ken Schumann (Violine), Matthew McDowell (Viola) und Mark Schumann (Violoncello) interpretierte dann hervorragend Ludwig van Beethovens Streichquartett Nr. 11 in f-Moll op. 95 "Quartetto serioso". Tiefsinn, Traurigkeit und Verzweiflung waren hier herauszuhören. Aber auch die Strukturen der einzelnen Sätze wurden äusserst lebendig und präzis herausgearbeitet. Die Nähe zu den späten Streichquartetten Beethovens war ganz offensichtlich. Das wilde Kopfmotiv behauptete sich mit ungestümer Macht. Und auch das triolische Seitenthema besaß charakteristischen Ausdrucksreichtum. Mitten im dichten Stimmengeflecht behauptete sich die Bratsche. Die beiden zentralen Motive des Hauptthemas prallten wuchtig aufeinander. Die Coda führte diese erregende Auseinandersetzung zu einem Höhepunkt! Das D-Dur des folgenden Allegretto wirkte ganz entfernt, fast sphärenhaft. Der Tonleiterabstieg des Solocellos besaß Ausdrucksreichtum. Der kontrapunktische Zauber einer Fugenexposition entfaltete sich hier wie von selbst. Explosionsartig wirkte der Rhythmus des Scherzos. Die strettaartige Coda beschwor immer wieder dynamische Stimmungskontraste. Rondo- und Sonatensatzelemente wurden im abschließenden Finale wirkungsvoll vereint. Die Unruhe übertrug sich auch auf das Hauptthema. Die zum Allegro gesteigerte Coda besaß dann einen atemlosen Zauber mit gedrängter spieltechnischer Konzentration.
Zum Abschluss folgte dann eine exzellente Wiedergabe des Konzerts für Violine, Klavier und Streichquartett in D-Dur op. 21 von Ernest Chausson. Der Geiger Eugene Ysaye machte dieses Werk aufgrund seiner großen Virtuosität bekannt. Die "Concerts" des 18. Jahrhunderts sind das Vorbild. Die Mittelsätze sprechen in diesem Zusammenhang eine unmissverständliche Sprache, die das gesamte Ensemble ausgezeichnet herausstellte. Vor allem der sanft wiegende Siciliano-Rhythmus der Barockzeit entfaltete im Rahmen eines sphärenhaften Intermezzos im zweiten Satz einen geradezu magischen Klangzauber, der sich weit auffächerte. Im dritten Satz zeigte das langsame Grave eine bewegende Emphase. Die Chromatik des Klaviers besaß virtuose Kraft. Cesar Franck blieb hier ebenfalls spürbar. Die formale Gestaltung des kompositorischen Materials zeigte sich von Wagner beeinflusst.
Ovationen, "Bravo"-Rufe, begeisterter Schlussapplaus.

