Die Sopranistin Diana Haller interpretierte dann zunächst Mozarts Arie "Vodo, ma dove? Oh Dei!" mit traumwandlerischer Sicherheit und strahlkräftigen Spitzentönen, die sich noch weiter verstärkten. Auch Rezitativ und Arie "Bella mia fiamma, addio - Resta, oh cara" besaßen bei ihrer Interpretation Leuchtkraft und Grandezza.
Anschließend folgte eine vibrierend-energische Interpretation von Anton Bruckners Sinfonie Nr. 7 in E-Dur, die zwischen 1881 und 1883 geschrieben wurde. Sie wurde seine erfolgreichste Sinfonie und wird heute am häufigsten gespielt. Aus zart flimmerndem Licht schwang sich das "Heldenthema" in die Höhe. In seiner unangefochtenen Ruhe vereinte es selbstbewussten Ernst mit demütiger Schwärmerei, die dann in der schmiegsamen Melodie des zweiten Themas in Oboen und Klarinetten aufstrahlte. Zart wechselnde Harmonien markierten das Lied des Beters. Immer heller glühte hier der Gesang auf. Aus diesen drei Themen baute die Durchführung mit höchster Kunst den lichtdurchfluteten Dom ihrer Klänge und Melodien, bis alles in einer majestätischen Coda gipfelte. Den zweiten Satz schrieb Bruckner in Vorahnung von Wagners Tod, die bei der Komposition ihre erschütternde Bestätigung erhielt. In dunkler Leidenschaft hob der Gesang der tiefen Streicher an, gestützt von "Wagner-Tuben", die ja auch dem Orchester im "Ring des Nibelungen" ernste, nächtige Tiefe geben. Ein trostreicher Lichtblick hellte die Stimmung auf, sobald die Streicher mit erdenferner Melodik vom Frieden mit einer anderen Welt Kunde gaben. Lothar Zagrosek kundete die Reife dieser Musik voll aus, es war vor allem ein Fest der Blechbläser. Erhabener als zuvor breitete sich dann wieder das erste Thema aus. In großartiger Pracht strahlte es bis zum Leuchten auf. Im abgeklärten Schlussgesang erinnerten die Hörner an das Kopfthema der Sinfonie. Brüsk stürzte sich dann das Scherzo in eine gehetzte, fast spukhafte Geschäftigkeit. Aus den Anläufen der Violinen entwickelte sich das überaus eigensinnige Trompetensignal. Flüchtige Tanzklänge akzentuierten das Jagen nur noch unheimlicher. Es machte sich eine trotzige Verwegenheit breit. Der Rhythmus des Trompetenrufs wirkte fast unerbittlich. "Bewegt, doch nicht zu schnell" ließ das Finale eine energiegeladene Abwandlung des Kopfthemas als sein geballtes Hauptmotiv hervorschnellen. Unerschrocken stellte es sich kühnsten Bewährungsproben - und seine zuckende Kraft lebte auch in Motivteilen und -abwandlungen drängend weiter, was Lothar Zagrosek mit dem Staatsorchester Stuttgart ausgezeichnet betonte. Die stille Weihe eines Chorals verklärte das zweite Thema der Streicher. In die dramatisch gespannte Durchführung klang es nur einmal als fromme Bitte herein und wurde von der Wucht des Kopfmotivs hinweggefegt. In hellstem Lichtglanz endeten alle Kämpfe.
"Bravo"-Rufe, frenetischer Schlussapplaus!

