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FURIOSER TANZ MIT FRANZ LISZT -- "Mayerling" mit dem Stuttgarter Ballett im Opernhaus STUTTGART

am 29. Juli 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Was für ein grandioser Abend! Die Tragödie des österreichischen Kaiserreichs wird auf einen hochdramatischen tänzerischen Punkt gebracht. Die subtile Choreografie von Kenneth MacMillan erzählt das Drama um Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn, der auf dem Jagdschloss Mayerling zuerst seine Geliebte Mary Vetsera und dann sich selbst erschießt. Er wird geplagt von einer tödlichen Krankheit, ist gefangen in einer lieblosen Ehe und versinkt in politischen Intrigen.

© Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

MacMillan erzählt in fieberhaften Sequenzen die letzten, verzweifelten Tage von Kronprinz Rudolf - basierend auf historischen Ereignissen. Für das Stuttgarter Ballett hat Jürgen Rose eine exzellente neue Ausstattung geschaffen, die die Pracht der kaiserlich-königlichen Monarchie in suggestiver Weise auf die Bühne bringt. Sein Konzept basiert auf einer faszinierenden Zeitreise, die alle total in ihren Bann zieht. Das Bühnenbild soll wie ein historisches Foto aussehen und auf einem schwarz-weißen Grund basieren. Die leichten Schraffuren, die den Hintergrund der Bühne bilden, erinnern an Fotos aus vergangener Zeit. 

Insgesamt dreizehn Bilder sind zu sehen, die es wirklich in sich haben. In der Hofburg sieht man Wandvertäfelungen und großformatige Porträts, in Rudolfs Schlafzimmer sind Regale voller Bücher in leichten Strichen angedeutet. Das Ganze wirkt durch die Beleuchtung transparent. Und der Kronprinz selbst erinnert an Shakespeares Hamlet, wenn er einen Totenkopf an sich presst. Auch die dunklen Waldszenen fesseln das Publikum. Die einzelnen Räume der Hofburg wirken hier durch die Requisiten realistisch. Neun Federtiere zieren Rudolfs Schlafzimmer und ein holzgeschnitzter Adler thront auf dem Bett. Der Körperkult seiner Mutter Sisi wird hier in einer Sprossenwand und in Porträts ihrer Pferde in subtiler Weise symbolisiert. Die Kostüme sind bei Rose charakteristisch. Gräfin Larisch trägt Grün, die Kaiserin Rot, Rudolfs Ehefrau Weiß und Mary Korallenrot.

 "Mayerling" besitzt als Ballett auf jeden Fall eine ganz erstaunliche Experimentierfreudigkeit. Das frühe Duett mit seiner Mutter zeigt die Unfähigkeit der Kaiserin, Rudolf Zuneigung und Liebe zu geben. Marti Paixa als Rudolf macht tänzerisch überaus eindringlich deutlich, wie verzweifelt er sich gerade danach sehnt. Die Pas de deux erzählen eindrucksvoll von der Brutalität seiner Hochzeitsnacht mit Prinzessin Stephanie. Zügellos leidenschaftlich wirkt dagegen der erste Pas de deux mit Mary. Zunehmende Verzweiflung beherrscht die folgenden Sequenzen. Daiana Ruiz als Mary Vetsera ist hier seine kongeniale Partnerin, die als einzige der vielen Frauen Rudolf wirklich Liebe und Verständnis entgegenbringt. 

Das Staatsorchester Stuttgart unter der inspirierenden Leitung von Wolfgang Heinz zelebriert die Musik des großen Franz Liszt (der für seinen Unterricht nie Geld verlangte!) mit geradezu sinnlicher Hingabe, die den Tänzerinnen und Tänzern des Stuttgarter Balletts unglaublich viele Freiräume lässt. Auszüge aus Liszts "Faust-Symphonie" besitzen fiebernde Glut und ein Feuer, das sich ständig steigert! Grüblerisch und suchend erscheint das erste Thema. Und aus geheimnisvollem Sehnen drängt sich das schöne Liebesthema vor. Grandios wird schließlich Liszts "Mephisto-Walzer" Nr. 1 in der Orchesterfassung umgesetzt. Da steigert sich das Stuttgarter Ballett zur Höchstform! 

Die Quint-Akzente des einleitenden Abschnitts treten in diversen Sprungtechniken grell in Erscheinung. Die ersten Bogenstriche Mephistos werden von den leeren Saiten der Violine heftig angerissen - und die Tänzer antworten mit geradezu konvulsivischen Bewegungen unterschiedlichster Nuancen, aber immer in faszinierender Weise körperbetont. Der Zuschauer atmet und bewegt sich gleichsam mit! Ein wildes A-Dur-Motiv stürzt die Tanzenden in einen besinnungslosen Taumel, der das Publikum unmittelbar mitreisst. 

Der ruhigere Mittelsatz in Des-Dur strahlt verführerische Sinnlichkeit aus. Rauschhafte Steigerungen folgen auch tänzerisch, die Verwandlungen werden in bewegenden Arpeggien spür- und hörbar, die Umarmung der Liebenden endet in wirbelnden Rhythmen. Die Musik des "Frauenhelden" Franz Liszt spricht hierzu eine ganz eigene Sprache. In weiteren Rollen begeistern an diesem Abend Irene Yang als Kronprinzessin Stephanie, Roman Novitzky als Kaiser Franz Joseph I., Alicia Torronteras als seine Mutter Kaiserin Elisabeth, Miriam Kacerova als Gräfin Larisch, Joana Romaneiro Kirn als Marys Mutter Helene Vetsera, Dorian Plasse als Bratfisch und die an diesem Abend besonders gefeierte Angelika Bulfinsky als Erzherzogin Sophie. Unter anderem überzeugen aus dem wunderbaren Ensemble auch Beatrice Köhnlein als Erzherzogin Sophies Hofdame, Veronika Verterich als Halbweltdame und Rudolfs Lieblingsmätresse Mizzi Caspar sowie Clemens Fröhlich als Colonel "Bay" Middleton, Liebhaber der Kaiserin. 

Besonders gelungen ist ebenso die fast schon groteske Szene im verrufenen Wirtshaus, wo sich die Huren den Gästen widmen, bis die Polizei kommt. Während dieser Polizeirazzia verstecken sich Rudolf, Mizzi und die ungarischen Offiziere! Als Geliebte des Kaisers Katharina Schratt gefällt an diesem Abend zudem Maria Theresa Ullrich mit leuchtkräftigen gesanglichen Kantilenen. 

Jubel, Blumensträuße, endlose Ovationen, die auch Intendant Tamas Detrich auf der Bühne entgegennahm. 

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