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BEKLEMMENDE NACHFORSCHUNG -- Neues Buch: "Mein wahrer Name ist Elisabeth" von Adele Yon im Berlin Verlag

August 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

"Mein wahrer Name ist Elisabeth" erschien bei einem kleinen Verlag in Frankreich und wurde schnell zum Liebling des französischen unabhängigen Buchhandels. Der Roman von Adele Yon führte monatelang die Bestsellerlisten an. Das Buch ist eine Mischung aus Autobiografie, Untersuchung und historischer Forschung. Es geht auch um ein kleines Bild, ein Passfoto mit Familienpapieren. Elisabeth war eine Peinlichkeit, ein schmerzliches Gerücht, weil die Leute sie wohl nicht verstanden haben.

© Berlin Verlag

 Die 1994 in Paris geborene Adele Yon ist Filmwissenschaftlerin. Und aus der filmischen Perspektive ist auch dieser Roman entwickelt worden.  Die patriarchale, soziale und medizinische Kontrolle über Frauen wird  spannungsreich thematisiert und intensiv untersucht. Das Buch endet aber positiv: "Morgen wird sie das blaue Kleid noch einmal anziehen. Andre wird sie wiedererkennen. Elisabeth ist zuversichtlich. Sie ist noch jung, sie hat noch Zeit." 

Man hat es hier mit dem literarischen Versuch zu tun, die Geschichte einer jahrelang weggesperrten Ahnin mitzuverfolgen, deren Bild die Autorin schon seit ihrer Kindheit verfolgte. Die Urenkelin Adele beschließt, Nachforschungen zu dieser Frau ohne Geschichte anzustellen: "Hier bin ich schon einmal gewesen. So scheint es meiner Großmutter mit der Geschichte ihrer Mutter zu gehen. Sie lässt meine Fragen an sich heran, und aufgrund meiner Fragen steigen in ihr bestimmte Bilder wieder auf, die zwar nicht wirklich vergessen waren, die aber ein Menschenleben lang nicht wachgerufen wurden und deshalb ganz einfach verstummt sind." Sie befürchtet, selbst verrückt zu werden. 

Und die Geschichte beginnt mit der beklemmenden Beschreibung eines Selbstmords. Dann wird nachgeforscht: "Die Frage, die ich meiner Mutter einen Monat vor ihrem Tod gestellt habe, war: Wurdest du von deinem Vater belästigt?... Ich habe zu Papa gesagt: Stimmt das, Papa, kannst du das bestätigen? Mein Vater hat gesagt: Ja, das kann ich bestätigen. Und dann habe ich angefangen, sie anzuschreien." Psychologisch werden Beziehungskrisen hier auf den Punkt gebracht: "Vermutlich hat Betsy auch in Angst vor Männern gelebt. Sie war verstört von Körperlichkeit, von Nacktheit, ihrer Zurschaustellung, wie meine Mutter. Ich glaube, Betsy und meine Mutter waren für eine freiere Form von Sexualität gemacht, frei von ehelichen Pflichten und dem Joch der Mutterschaft. Eine Sexualität ohne Männer vielleicht." 

Adele Yon erzählt virtuos und spannungsreich die verzweifelte Suche nach der wahren Person hinter ihrer für verrückt erklärten Urgroßmutter "Betsy": "Später, Elisabeth ist zweiundzwanzig Jahre alt. In der Rue de la Republique herrscht ein pausenloses Schreikonzert..." Die Gewalt an Frauen wird dabei in beklemmender Weise neu beschrieben und aktualisiert. Erinnert wird auch an den Film "Rebecca" von Alfred Hitchcock sowie an den Roman "Jane Eyre" von Charlotte Bronte mit der Doppelgängerin, die keinen Namen hat. Es gibt viele Metaphern und Querverweise - doch der rote Faden hinter dem komplizierten Sprachgestrüpp bleibt erkennbar. 

Lesenswert.   

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