Das Werk entstand im Jahre 1846 und wurde erst nach Smetanas Tod veröffentlicht. Er ertaubte wie Beethoven. Vor allem die volksliedartigen Passagen des langsamen Adagio-Satzes spielt die Pianistin hier sehr einfühlsam. Und auch in den Ecksätzen blühen immer wieder die Klangfarben in reizvoller Weise auf.
Die tschechischen Tänze mit ihrem fulminanten Polka-Charakter werden in ihrem kontrapunktischen Reichtum und der spieltechnischen Eleganz genau getroffen, da scheinen die Rhythmen miteinander zu wetteifern. Atemlos-rasant kommt beispielsweise auch der "Furiant"-Satz des zweiten Bandes daher, wo Liszt und Chopin hindurchschimmern. Manches wirkt salonhaft gefärbt, anderes melancholisch beeinflusst. Doch immer dominiert der nationale Tanzrhythmus, der zuweilen auch an Smetanas berühmte Tondichtung "Mein Vaterland" erinnert. Konzertante Wirkungen fehlen dann bei den weiteren Nummern "Oves", "Dupak" oder "Hulan" ebenfalls nicht. Da werden die thematischen Verbindungslinien in leidenschaftlicher Weise ausgekostet, hinter den Noten verbirgt sich eine zauberhaft-geheimnisvolle Welt, die den Hörer ganz unmittelbar anspricht.
Der Reichtum der tschechischen Volksmusik blüht hier regelrecht auf. Da fehlt auch die frische Ursprünglichkeit der "Verkauften Braut" nicht! Manche Passage erinnert dabei an Harfenklänge oder an das muntere Fließen der Moldau, die nie versiegt. Neben dem Polka-Frohsinn triumphiert blitzartig hymnischer Glanz! Die klassisch-absoluten Reformmodelle werden teilweise aufgefrischt sowie in Vergrößerungen und Verkleinerungen sichtbar.
Gerade in der kleinen Form der Klavierstücke wird Smetana als Vorläufer seines Landsmanns Janacek sichtbar. Der nie aufdringliche böhmische Tonfall zeigt sich auch beim "Tanz des Nachbarn" Nr. 9 aus den "Tschechischen Tänzen". Langsamere melodische Episoden besitzen hier große Intensität. Chromatisch gehen viele Passagen auf und ab, bewegen sich aufeinander zu und fließen wieder wie ein Wasserfall auseinander. Gerade diesen Aspekt verdeutlicht die Pianistin Bogang Hwang hervorragend. Das atemlos dahinstürmende Accelerando erinnert oftmals an Smetanas Trio für Klavier, Violine und Violoncello g-Moll op. 15. Stürmische Presto-Sequenzen finden einen versöhnlich-strahlenden Schluss.
Die Aufnahme ist sehr zu empfehlen.


