Kasar präparierte sein Klavier mit Filz, verzichtete bewusst auf Hochglanz und Bühnensound. Manchmal ist der Klang deswegen auch etwas verschwommen. Das Jahr beginnt hier mit dem einfühlsamen Titelstück "Goodbye Ghosts", dem Johanniskraut zugeordnet - jener Pflanze, die traditionell gegen trübe Stimmung hilft. Im Februar folgt dann "Violet" mit der Malve, deren Blüten den Tee in sanftes Blau-Violett tauchen. Der März bringt "Peace of Mind" und die Goldrute, die man bei Nieren- und Blasenleiden einsetzt. Im April steht die Kamille für "Stardust". Das ist eine der bekanntesten Heilpflanzen überhaupt, deren Dampf Kasar selbst gerne inhaliert. Der Mai wird von der Sonnenblume und dem Stück "Sunflowers" beherrscht. Im Juni wird "Roses" zu einer berührenden Kindheitserinnerung - verbunden mit der Hagebutte. Im Juli kommt mit "Up and Down the Hills" der Sommer, wobei sich die Dynamik zwischen Elektro-Jazz, Songwriting und Klavierklang suggestiv verändert. Im August zeigt sich "Pines" mit der Zitronenmelisse. "Waltz For Ella" huldigt dann dem September mit dem Salbei. Der Lavendel steht im Oktober mit "Bread And Butter" im Mittelpunkt. Der November lässt das Weinlaub mit "Watch the Cat" aufleuchten. Im Dezember folgt die "Distel" mit "Turnaround".
Alles in allem ist hier eine sehr besinnliche und bewegende Musik entstanden, die den Hörer ohne übertriebene Esoterik berührt. Zwölf Klavierstücke, zwölf Kräuter und ein Jahr. Die von John Cage begründete Technik des präparierten Klaviers schimmert immer wieder in geheimnisvoller Weise durch.


