Sein Streben nach im Grunde genommen tonaler Musik ist in der Sinfonia Concertante op. 125 deutlich spürbar. Der Cellist Mstislaw Rostropowitsch hatte Prokofiev zu diesem Werk inspiriert: "Schreiben Sie, wohin auch immer Ihre Vorstellungskraft Sie führt. Wenn es zu schwierig ist, kann ich es immer noch vereinfachen. Es gibt keinen Grund zur Sorge." Und der Cellist Michal Balas meint dazu, dass es das Schwierigste für ihn sei, seine Energie während dieses Marathons richtig einzuteilen. Bevor er mit der "Sinfonia Concertante" auf die Bühne gehe, müsse er voller Energie sein. Rostropowitsch definierte als Cellist die Möglichkeiten dieses Instruments neu und setzte künstlerische Maßstäbe, an denen sich wohl auch Michal Balas orientiert, ohne diesen Stil zu kopieren. Deutlich wird bei dieser hörenswerten Einspielung, dass das Orchester hier nicht nur als Begleiter des Solocellos fungiert, sondern gleichberechtiger Partner ist. Motorische Rhythmen, die insbesondere im zweiten Satz scharf und pulsierend sind, sowie groteske und sarkastische Momente werden besonders prägnant herausgearbeitet. Große melodische Wärme und Tiefe kommt beim einfühlsamen Spiel von Michal Balas ebenfalls überzeugend zum Ausdruck. Dissonanzen und Bitonalität treten zwar grell, aber nie störend hervor.
Interessant ist auf dieser CD auch die Begegnung mit den Cinderella-Suiten von Sergej Prokofiev, die er in den Jahren 1940 bis 1944 schrieb. Die sowjetischen Kulturbehörden bevorzugten optimistische Werke, die frei von übermäßigem Modernismus waren. 1943 konnte Prokofiev die Arbeit daran fortsetzen - und 1945 fand schließlich die Premiere des Balletts statt. Er wollte, dass "Cinderella" nicht nur eine Märchenfigur ist, sondern auch eine echte Person, die unter uns lebt, fühlt und sich bewegt. Die poetische Liebe zwischen Cinderella und dem Prinzen kommt auch bei dieser gelungenen Einspielung mit dem Pilsen Philharmonic Orchestra unter der impulsiven Leitung von Chuhei Iwasaki zum Ausdruck. Die Musik wechselt dabei facettenreich zwischen Licht und Dunkelheit ab. Leichte Passagen und spannungsvolle Momente halten sich hier die Waage. Das musikalische "Chaos" erreicht dann den fulminanten Höhepunkt in jener Szene, als Cinderella fluchtartig den Ball des Prinzen verlassen muss. Tiefe Blechbläser markieren dabei Cinderellas Panik. Ansonsten sind die Melodien für Cinderella zart, melancholisch und ausgesprochen lyrisch, was das Pilsen Philharmonic Orchestra unter Iwasaki auch wandlungsfähig und sensibel zu Gehör bringt. Gelegentlich ergeben sich zudem Verbindungslinien zu Peter Tschaikowsky. Russische Melismatik und farbige Harmonik bleiben immer spürbar. Besonders eindringlich wird bei dieser Einspielung die Suite Nr. 2 op. 108 mit "Cinderellas Träume" eröffnet. Die Sehnsucht der jungen Cinderella vor dem Ball kommt dabei bewegend zum Ausdruck. Tanzstunden, Tänze und der Auftritt der Feen werden zu einem berührenden Fest unterschiedlichster Klangfarben und Motive, die hier schillernd erklingen. Cinderellas Ball-Auftritt als strahlende Prinzessin fasziniert bei dieser Einspielung aufgrund vieler dynamischer Kontraste.


