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VIELE FÖRDERPREISE FÜR HERAUSRAGENDE TALENTE -- Preisträgerkonzert der Internationalen Hugo-Wolf-Akademie im Konzertsaal der Musikhochschule STUTTGART

am 4. Oktober 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Beim diesjährigen Preisträgerkonzert zum 15. Internationalen Wettbewerb für Liedkunst Stuttgart erhielten Emil Greiter (Bass-Bariton) und Paul Breyer (Klavier) den ersten Preis sowie Johanna Beier (Sopran) und Tarek El Barbari (Klavier) den dritten Preis.

Zunächst jedoch stellten sich die Förderpreisträger vor. Alice Dreier (Sopran) und Jou-Yu Shieh (Klavier) interpretierten mit weiten Intervallspannungen und großem Ausdrucksvermögen "Ce soir coeur fait chanter" nach Rainer Maria Rilke (Vergers) von Isabelle Aboulker. Franz Schuberts "Herbst" nach Ludwig Rellstab überzeugte mit nie nachlassender Emphase und ausdrucksvoller gesanglicher Tiefe. 

Weitere Förderpreisträger waren Bruno Meichsner (Bariton) und Wan-Yen Li (Klavier), die zunächst mit leisen Zwischentönen und sensibler Chromatik "Der Dichter" nach Rainer Maria Rilke von Outi Tarkiainen interpretierten. "An Schwager Kronos" nach Johann Wolfgang von Goethe von Franz Schubert bestach mit träumerisch-fantastischer Ausdruckskraft und reicher harmonischer Klarheit. Auch Elia Farreras-Cabero (Sopran) und Lucas Huber Sierra (Klavier) erhielten einen Förderpreis. Sie interpretierten zunächst ausgesprochen feinnervig "Nuvoletta" op. 25 von Samuel Barber, der sich manchmal sogar an Sergei Rachmaninow orientiert. Der betont pastorale Charakter dieses Liedes wurde in ausgezeichneter Weise getroffen. Der Zauber dieser fortschrittlichen Musik auf tonaler Basis stach deutlich hervor. 

Einen sehr starken Eindruck gewann man außerdem von "Die spanische Tänzerin" nach Rainer Maria Rilke von Elisenda Fabregas. Da wurden die sensiblen Zwischentöne und dynamischen Abstufungen in feinen Kantilenen lebendig. Eine große Überraschung war Johanna Beier (Sopran), die zusammen mit Tarek El Barbari (Klavier) zunächst "Verklärung" nach Johann Gottfried Herder und Alexander Pope von Franz Schubert interpretierte. Der intime, lyrisch-introvertierte Charakter von Franz Schuberts Musik trat hier in beglückender Weise hervor. Von Hugo Wolf musizierten beide dann "Im Frühling" nach Eduard Mörike, wo das Pathos des Intimen neben bewegend-chromatischen Seelenschilderungen triumphierte. Das Bassfundament wurde voll ausgelotet, die ineinander verwobenen Melodien im Klavier- und Gesangspart leuchteten beglückend hervor. Hugo Wolfs "Nimmersatte Liebe" nach Eduard Mörike überzeugte hier ebenfalls mit drängender Leidenschaft. Es ist eigentlich ein Studentenlied, bei dem der Liebesakt simuliert wird. 

Mit vielen klangfarblichen Nuancen wartete zudem "Dernier reve" nach Ludovic Fortolis von Hedwige Chretien auf. "The Spring is Arisen; Ophelia's Song" (Song and Sonnets to Ophelia) von Jake Heggie sowie "Snake" (Eve-Song) nach Philip Littell vom selben Komponisten zeigten einen bewegend-berührenden gesanglichen Ausdruck. Jake Heggie ist übrigens mit Opern-Projekten über "Moby-Dick" oder Auschwitz hervorgetreten. Emil Greiter (Bass-Bariton) und Paul Breyer (Klavier) zeigten bei Franz Schuberts "Nachtstück" nach Johann Baptist Mayrhofer viel Gespür für gesanglich-harmonische Tiefe und facettenreiche Schattierungen. Auch bei Hugo Wolfs "Frage nicht" nach  Nikolaus Lenau wurde der Hörer direkt angesprochen. Die harmonischen Tiefen schienen sich hier immer mehr und mysteriöser auszuweiten. Die emotionale Seelenwelt zeigte sich nicht nur in der Klaviereinleitung. 

Ein Höhepunkt waren ferner die beiden Hugo-Wolf-Lieder "Fühlt meine Seele" (Michelangelo-Lieder) nach Walter Heinrich Robert-Tornow sowie "Wenn ich in deine Augen seh'" nach Heinrich Heine. Hier erreichten die melodischen Passagen eine sphärenhafte Höhe und Emphase, die sich nicht nur aus dem Sprachfall ableitete. Die absteigenden chromatischen Linien bei "Fühlt meine Seele" wurden hervorragend betont. "Ich sage nicht" op. 51/1 von Amy Beach nach Eduard Wissmann erreichte eine fast spätromantische Ausdruckskraft. "Der neue Amadis" nach Johann Wolfgang von Goethe von Hugo Wolf  bewies in der suggestiven Interpretation dieses Duos seine innere Bedeutung. 

Prof. Dr. Hansjörg Bäzner als Vorstandsvorsitzender der Hugo-Wolf-Akademie sowie der Rektor der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Axel Köhler sprachen Grußworte. Während Bäzner die unvergesslichen Stunden des diesjährigen Programms lobte und auch der Intendantin Dr. Cornelia Weidner in besonderem Maße dankte, erinnerte Axel Köhler an die künstlerischen Wurzeln seiner Heimatstadt Dresden. Im Blauen Gewölbe Augusts des Starken befinde sich ein Kirschstein mit vielen Abbildungen, die auch an die vielfältigen Ereignisse der Hugo-Wolf-Akademie erinnern würden, so Köhler. Der Liedgesang stelle an die Interpreten die höchsten Anforderungen. Die Juryvorsitzende Brigitte Fassbaender überreichte die Urkunden an die Preisträger. 

Jubel und großer Schlussapplaus. 

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