Theaterkompass.de Logo

ECHTE FRAUEN SIND RECHTS -- Premiere "Trad Whys - Müssen wir da wirklich noch mal durch?" im Studiotheater STUTTGART

Oktober 2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Unter dem vielsagenden Motto "Müssen wir da wirklich noch mal durch?" stand diese Premiere der originellen Performance mit den beiden wandlungsfähigen Darstellerinnen Alessandra Bosch und und Dawn Patricia Robinson unter der abwechslungsreichen Regie von Daniela Urban.

© Stephan Haase

Bühne und Kostüme von Frederike Marsha Coors passten sich der eher rustikalen Atmosphäre an. Und die humorvolle Musik von Vincent Wikström unterstrich den manchmal satirischen Zuschnitt. Zwischen Pastellküche, Sauerteigbrot und Dauerlächeln gab es hier auch ausreichend Zeit für viel Meditation im abgedunkelten Auditorium. So wurde der "Ehrentag der Mutter" würdevoll zelebriert, die Legende vom "Heimchen am Herd" nicht geleugnet. Der Mann fungierte als Ernährer und "Babymacher". Das war die Welt der "Tradwives", in der der Mann das unbestrittene Familienoberhaupt ist. Die Frau widmete sich hier der Häuslichkeit und Kinderfürsorge. Was den Reiz einer solchen Ideologie aber auch so gefährlich macht, wurde dabei  keineswegs verschwiegen. Die AfD als "Anker für junge Frauen" und rechtes Gedankengut erschien plötzlich in einem grellen Licht. Und natürlich waren dann auch echte Männer rechts. 

Tradwives erschienen hier als Frauen, die sich hübsch anziehen und das "dolling up" nennen.  Alessandra Bosch und Dawn Patricia Robinson nahmen diese "traditionellen Ehefrauen" immer wieder auf die Schippe, Klischees und traditionelle Rollen wurden ganz bewusst hinterfragt. Lebensstil und politische Agenda ergänzten sich so in recht hintersinniger Weise. Und in Video-Einspielungen aus den USA wurde dieser traditionelle Hausfrauen-Trend ironisch unter die Lupe genommen. Dass die AfD sogar die erfolgreichste Partei auf TikTok ist, erwähnte man dann am Rande. 

Doch auch die Überforderungen ließen nicht lange auf sich warten, sie sind und waren für viele Familien Realität. Und so resignierte die ständig unter Hochstrom stehende Hausfrau schließlich: "Ich will das alles nicht mehr! Ich will, dass mir wichtig ist, was ich tue!" Sie war es leid, das ständige Kindergeschrei und den phlegmatischen Ehemann zu ertragen. Selbst der Zusammenhang zwischen Care-Arbeit und Armut wurde hier beleuchtet. Eine Welt, aus der diese Frauen immer wieder auszubrechen versuchten. Da gab es keinen Feminismus von rechts, sondern Antifeminismus im modernen Gewand. Machtverhältnisse und patriarchale Strukturen wurden systematisch ausgeblendet. Im Zuge des Selbstfindungsprozesses hinterfragten die beiden Frauen aber durchaus hintersinnig und humorvoll die bestehenden Machtverhältnisse in einer eigentlich schrägen Gesellschaft. 

Der "Tradwife-Trend" und das echte Leben wurden grell beleuchtet. Die "Mrs. America" nahm man systematisch unter die Lupe. Deutlich kam zum Vorschein, dass unter Umständen auch der christliche Lebensstil der "Tradwives" sie zu dieser besonderen Existenz motiviere. So blieben am Ende viele Fragen offen, weil selbst die Netzwerke von Männern in recht sarkastischer Weise offengelegt wurden. Da begriff man dann, wieso auch ein Account bei Instagram durchaus über 100.000 Follower haben kann. Die moderne extreme Rechte mit prominenten Frauen wie Weidel, Le Pen oder Meloni bleibt gerade wegen aller Widersprüche trotzdem ein Phänomen. 

Jubel und viel Applaus für die beiden ausgezeichneten Schauspielerinnen!

Teile den Beitrag auf

Background image of the page