Tragisches Pathos und ironische Komik beherrschten schon das Vorspiel zu Ariadne - nämlich eine kurze Diskussion dreier Experten über die Kunst und Unterhaltung. Kühne harmonische Überschneidungen wurden hier immer wieder stilsicher herausgearbeitet. Aika Kambara (Zerbinetta), Lana Maletic (Komponist), Anastasia Wanek (Ariadne), Sejin Park (Bacchus), Paulo Maria (Tanzmeister) sowie Andi Jin (Musiklehrer/Harlekin) bildeten zusammen mit dem einfühlsamen Pianisten Bernhard Epstein ein hervorragendes Ensemble. Der geschmeidig-pointierte Parlandoton kam hier nicht zu kurz, die ariose Verdichtung in souveräner Weise ließ nicht lange auf sich warten. Vor allem die verschwenderische melodische Fülle führte immer wieder zu leidenschaftlichen Steigerungen, wobei die "gefährliche Längen" dieser Oper einfach weggelassen wurden.
Zerbinetta und der Komponist kamen sich in jedem Fall näher. Mit Mut vereinten sich Kunst und Unterhaltung zur Heiligen Musik. Zwei ewig getrennte Seelenwelten wuchsen hier nach und nach in einer geheimnisvollen Parallel-Beziehung zusammen. Hinzu kamen Ausschnitte aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro", wo unter anderem Anastasia Wanek und Lana Maletic mit glanzvollen Kantilenen brillierten. Es war ein Terzett, in dem Susanna alle ganz schön in die Bredouille brachte. Aika Kambara interpretierte dann ausgezeichnet die "Verrücktheit" der raffinierten Buffo-Oper "Platee" von Jean-Philippe Rameau. Der personifizierte Wahnsinn wurde dabei auf die Spitze getrieben. Der Conte wollte dann bei Mozarts "Hochzeit des Figaro" Rache am lachenden Diener üben, was Andi Jin facettenreich verdeutlichte. Die Frage war nur, wer dann wirklich zur Witzfigur wurde. Anastasia Wanek unterstrich als Ariadne ihre Einsamkeit auf einer wüsten Insel glaubhaft, zumal die Aufmunterungsversuche scheiterten. Mit grandiosen Koloraturen präsentierte Aika Kambara die mörderisch schwierigen Koloraturen der Zerbinetta, wobei es hier den Komödianten dann doch die Sprache verschlug. Sejin Park interpretierte zudem die berühmte Arie des Cavaradossi aus dem dritten Akt der Oper "Tosca" von Giacomo Puccini, wo der Verismus Triumphe feierte.
Von Naxos ging es sogar zu einem Ausflug nach New York bei Leonard Bernsteins "West Side Story". Paulo Maria sang die Arie des Tony "Maria" von einer Liebe, die zum Scheitern verurteilt war, mit ausgesprochen schlanker Stimme. Und bei Mozarts "Cosi fan tutte" glänzte Lana Maletic als Dorabella, die bei der Verkuppelung mit einem fremden Mann doch etwas Schwierigkeiten hatte. Exzellent präsentierten zuletzt Anastasia Wanek und Sejin Park als Ariadne und Bacchus die Schluss-Arie aus "Ariadne auf Naxos", wo die Bestimmtheit und Beschwingtheit des Melodischen in ganz besonderer Weise überzeugte. Im Wechsel der Tempi und den überaus kunstvollen Motivverflechtungen kamen die beiden Protagonisten ganz zusammen. Die Stimmen der Ariadne und des Bacchus vereinten sich hier im Hymnus des Wanderorchesters und in den Gestalten des Sternenhimmels! Der letzte schwebende Des-Dur-Akkord erzeugte einen beglückenden Zaubervielklang. Mit dem berühmten "Trinklied" aus Giuseppe Verdis "La Traviata" verabschiedete sich dieses wunderbare Ensemble (dem auch Lehrkräfte und Studenten der Stuttgarter Musikhochschule angehörten) von einem begeisterten Publikum.
Viele "Bravo"-Rufe!

