Die mit Holzbrettern bestückte Bühne von Gordian Blumenthal und Ramun Capaul besitzt etwas Rustikales und Unnahbares. Die Kostüme von Anette Guther und Nuria Heyck passen sich den Gegebenheiten an. Und es ist ganz erstaunlich, wie gut sich Sebastian Blomberg in die Rolle des Katers Apollo hineinversetzen kann. Er sitzt da, auf allen vieren, und schaut vor sich hin. Goldi beobachtet ihn auch genau und gibt ihm Anweisungen: "Apollo. Geh mal aus dem Weg. Ab mit dir! Hupen Sie mal". Zuvor knallen Holzbretter mit gewaltigem Getöse von der Decke herab. Mensch und Tier scheinen sich hier unmittelbar zu begegnen. Man spürt zudem ganz deutlich, dass seine Augen Dinge sehen, die wir nicht wahrnehmen.
Goldie (sehr überzeugend: Ursina Lardi) entscheidet sich als Frau mittleren Alters für die Renovierung eines Holzhauses mit gläserner Decke. Eine unheilbare Krankheit macht ihr jedoch einen Strich durch die Rechnung. Sie gibt nur noch Anweisungen an andere, statt sich eigenständig zu entwickeln und zu entfalten. Auch ihr umtriebiger Kater Apollo befindet sich in einer Zwickmühle. Die Zweisamkeit mit seinem Frauchen will er trotzdem nicht missen. Mitten in ihrem Überlebenskampf bricht Goldies Vater ein. Tony ist frisch verliebt in seine neue Partnerin Vivian. Mit seinem Wohnmobil ist er außerdem auf dem Weg ins Meer. "So viel Leben wie möglich" lautet hier jedenfalls das Motto. Räume entstehen dabei wie von selbst, nehmen die Darsteller mit. Als "Tanzende Idioten" bezeichnet der Autor Denis Johnson seine Protagonisten. Dessen Texte hat Thorsten Lensing in suggestiver Weise verwendet. Schließlich kommt es sogar zu einer Nasa-Apollo-Mission zum Mond, die Goldie und ihr Kater unternehmen. Und es gelingt einem Menschen, dem Zuschauer ein Gefühl zu geben, das sonst nur Tiere auslösen.
Als Goldie schließlich wirklich nicht mehr da ist, kommt das Tier damit nicht zurecht: "Einem Kater tut man so etwas nicht an..." Er reisst die Holzwände ein und vergräbt sich in den Brettern. Karin Neuhäuser als Vivian Phoenix und vor allem Andre Jung als Tony kommen mit den Problemen der Tochter nicht klar, die sich von einem seltsamen elektrischen Schubkarren in die Höhe fahren lässt. Da kommt es dann zu szenischen Brüchen, die nicht immer nachvollziehbar sind. Zuletzt gibt es auch noch eine bizarre Szene in der Sauna, die in einem absurden Theater endet. Sebastian Blomberg als Neil Armstrong, Benjamin Eggers-Domsky als Saunameister sowie Willi Kellers und Benjamin Eggers-Domsky als Bauarbeiter hinterlassen viele szenische Fragezeichen.
Einen grandiosen Auftritt hat schließlich Willi Kellers als fulminanter Schlagzeuger! Da reisst er das Publikum mit wilden Rhythmen und zahlreichen akustischen Improvisationen von den Sitzen. Wie interessant und abwechslungsreich Theater mit Tieren sein kann, macht diese Aufführung trotz mancher Schwächen deutlich. Goldie stirbt in dem Moment, in dem Ursina Lardi auf der Bühne nur noch Ursina Lardi ist. Die menschliche Sehnsucht nach dem tieferen Lebenssinn aber bleibt. Für das gesamte Team gab es begeisterten Schlussapplaus!


