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Uraufführung: "Die Schönheit von Ost-Berlin" - Eine Ronald-M.-Schernikau-Collage - Deutsches Theater Berlin

01.11.2014

Premiere 07. November 2014, 20.00 Uhr. -----

'legende' ist der Titel seines Lebenswerks, legendär ist Ronald Schernikau selbst: Geboren in Magdeburg ein Jahr vor dem Bau der Mauer, wird er mit sechs zum Republikflüchtling wider Willen, als sich seine Mutter mit ihm im Kofferraum über die deutsch-deutsche Grenze schmuggeln lässt – der Liebe wegen.

Doch der Vater, der sie nachholt, führt ein Doppelleben, politisch wie familiär. Mutter und Sohn bleiben im Westen fremd und wurzellos. Es verschlägt sie nach Lehrte bei Hannover, wo Ronald Schernikau als Flüchtlingskind, als Andersdenkender, Andersliebender und Andersträumender überall aneckt. Noch auf der Schule schreibt er seinen ersten Roman 'Kleinstadtnovelle'. Die Geschichte eines schwulen Coming Outs in einem Provinzstädtchen wird zu einem Überraschungserfolg. Schernikau zieht nach West-Berlin, wird Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Westberlins (SEW) und eine der schillerndsten Figuren einer selbstbewussten Schwulenszene.

Doch der Kampf ums Überleben als Schriftsteller in West-Berlin Anfang der 80er wird immer härter. Unter erheblichen Schwierigkeiten erhält Schernikau einen Studienplatz am Leipziger Institut für Literatur und beschreibt die Kluft zwischen DDR und BRD unter dem Titel 'die tage in l'. Als ihm sein Mentor Peter Hacks rät, in die DDR zu ziehen, wenn er ein großer Dichter werden wolle, erfüllt sich Ronald Schernikau den Traum, den schon seine Mutter seit ihrer Flucht immer geträumt hat: Er erwirbt (wieder) die Staatsbürgerschaft der DDR. Am 1. September 1989 siedelt er nach Berlin-Hellersdorf über, gegen den Strom derer, die in Scharen das Land verlassen. Schernikaus scharfe, hochpointierte Kapitalismuskritik bleibt ungehört, sein Werk weitgehend unbeachtet. Unter äußersten Anstrengungen gelingt es ihm, sein Hauptwerk 'legende' fertig zu stellen: Collage und Kompendium seines Lebens und Schreibens. Zwei Jahre nach dem Fall der Mauer stirbt Ronald Schernikau an den Folgen von AIDS.

Gegen die Erinnerungsseligkeit des 25. Mauerfalljubiläums geht der Regisseur Bastian Kraft ('Der Besuch der alten Dame') in einem collageartigen Ronald-Schernikau-Abend dieser widersprüchlichen und widerständigen Figur nach.

Regie Bastian Kraft

Bühne Peter Baur

Kostüme Inga Timm

Musik Ingo Schröder

Dramaturgie John von Düffel

Besetzung

Elias Arens, Margit Bendokat, Thorsten Hierse, Wiebke Mollenhauer, Bernd Moss

09. November 2014, 19.30 Uhr

18. November 2014, 20.00 Uhr

27. November 2014, 19.30 Uhr

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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