Und glücklicherweise stehen grausame Potentaten wie Nero oder Caligula nicht im Mittelpunkt der Abhandlung. Nach römischen Gesetzen sprechen wir heute immer noch Recht. Die Brücken und Straßen der alten Römer waren manchmal sicherer als unsere heutigen Autobahnen. So wird es dem Leser bei dieser Lektüre nie langweilig. Die Welt der Gladiatoren, Aquädukte, Thermen und Graffiti wird so mehr als lebendig. Berühmte Kaiser erhalten ebenso ein Forum wie unbekannte, aber raffinierte Geschäftsfrauen. Es ist ein unterhaltsamer Streifzug durch die Geschichte einer Weltmacht. Interessant ist vor allem das Kapitel über "Latein als erste Weltsprache". Da erfährt man dann, dass das Deutsche von Latinismen durchdrungen ist. Sprachforschende würden schätzen, dass bis zu 20 Prozent unseres Wortschatzes direkt oder indirekt aus der Sprache Roms ins Deutsche gelangt sind. Dies betreffe vor allem die Bereiche Kulinarik, Architektur und Bauwesen sowie Handel und Verwaltung.
Natürlich hätte Martin Verg hier auch noch mehr Beispiele aufführen können, doch diese Erkenntnisse sind wirklich erhellend. Zu den besonderen Vorzügen gehören dabei spezielle Erklärungen, die wie antike Schrifttafeln angebracht sind. Deklinierte Fließgewässer seien stets weiblich gewesen - wie zum Beispiel "Mosella" für "die Mosel". Tacitus oder Plinius könne man laut Verg aber nicht einfach kurz mal so als Urlaubslektüre schmökern. Selbst das große Latinum befähige nicht unbedingt dazu. Doch auch in diesem Band führen natürlich alle Wege nach Rom. Martin Verg beweist mit Witz, dass gerade die Sprache Roms die Urmutter aller romanischen Sprachen ist.
Im Kapitel XI "Schalten und Walten" erfährt der Leser dann, dass Cäsar einen fast ewigen Kalender erfand. Der erste echte dieser Schalttage sei der 29. Februar 44 v. Chr. gewesen! Doch beim "Prinzip Angst" findet der berüchtigte Caligula dann doch noch Erwähnung: "Solange Caligula, unter welchem Namen er uns heute besser bekannt ist, lebte, hätte niemand daran gutgetan, sich allzu laut über den Herrscher lustig zu machen, der für seinen autokratischen und brutalen Herrschaftsstil berüchtigt war." Sein Lebensmotto sei "Oderint dum metuant" gewesen ("Sollen sie mich hassen, solange sie mich fürchten"). Das sei aus einem Stück des Tragödiendichters Lucius Accus geklaut gewesen. Und man denkt bei Caligula natürlich auch an das gewaltige Drama von Albert Camus.
Die "Ewige Stadt" sei (so Verg) nach dem Untergang Westroms dann doch noch in die Bedeutungslosigkeit geschlittert. Und doch sei Rom immer noch eine unbedingt sehenswerte Metropole. Denn das Imperium sei eigentlich nie wirklich weg gewesen. Selbst der FDP-Politiker Guido Westerwelle wird zitiert: "Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein". Das Buch ist schon deswegen zu empfehlen, weil es Brücken zur Gegenwart schlägt.


