Eine typisch brasilianische Bewegungssprache ist hier prägend und fällt ganz besonders auf. Die Musik von "21" stammt von Marco Antonio Guimaraes & Uakti. Mithilfe einer geometrischen Notation werden hier komplexe Kombinationen aus Rhythmus und Klangfarbe gebildet, was die Kostüme von Fernando Velloso und die Kostüme von Freusa Zechmeister unterstreichen. Alle sind sie um die Zahl "21" herum strukturiert. Auf diese mathematische Präzision folgen Bewegungen von pulsierender Synchronität. Und durch vielschichtige Wiederholungen ergibt sich eine absteigende Skala von 21 bis 1. Acht kompakte choreografische "Haikus" führen zu einem festlich-furiosen Finale, das in seiner rhythmischen Präzision zum Höhepunkt des gesamten Abends wurde. Tiefrote Lichter im vorderen Bühnenraum und warme Gelbtöne der Kostüme korrespondierten in elektrisierender Weise miteinander! Der Zuschauer geriet so plötzlich in einen atemlosen visuellen Sog, der alle mitriss. Die dichte und spannungsgeladene Atmosphäre schien regelrecht zu explodieren! Eine riesige Patchworkdecke erschien zuletzt in leuchtenden Farben auf der Bühne. Die eng anliegenden Kostüme der Tänzerinnen und Tänzer schienen das spannungsvolle Geschehen zu illustrieren.
Dunkleres Licht und ein raffiniertes Spiel mit Flüssen und Farben erwarteten das Publikum bei der zweiten Choreografie "Piracema" von Rodrigo Pederneiras und Cassi Abranches (Bühne: Paulo Pederneiras; Kostüme: Susana Bastos und Marcelo Alvarenga). Das Wort "Piracema" bezeichnet die Wanderbewegung von Fischen, die flussaufwärts zu den Quellen ziehen. Und dies geschieht gegen die Strömung, um dort zu laichen. Grupo Corpo verdeutlichte diesen tiefsinnigen Weg als geheimnisvolle Reise, um sich neu zu erfinden und Widerstand zu leisten. Mit der suggestiven Musik der amerikanischen Multiinstrumentalistin Clarice Assad gelang auch im Forum am Schlosspark die subtile Beschwörung der unberührten Natur mit archaischen Klängen. Symphonische Polyphonie verwandelte sich in elektronische Gegenwartsmusik. Blau- und Silberschattierungen begleiteten die Sicht auf monumentale Paneelen mit 82.000 Sardinendosendeckeln.
Jubel des Publikums.


