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UNHEIMLICHE GERÄUSCHE IN DER OPER --"Eine Reise durchs Opernhaus" als Konzert in der Staatsoper STUTTGART

am 20.9.2026

Geschrieben von ALEXANDER WALTHER

Da hatte die von Maria Theresa Ullrich burschikos verkörperte Detektivin Clara Fall ja alle Hände voll zu tun. Sie begleitete das Publikum nämlich durch eine spannende "Reise durchs Opernhaus", wo das Staatsorchester Stuttgart unter der fulminanten Leitung der chinesischen Dirigentin Lin Liao schon auf sie wartete. Ein Problem musste dringend gelöst werden: Im Opernhaus hörte man nämlich seit einiger Zeit unheimliche Geräusche! Man dachte natürlich sofort an das "Phantom der Oper".

© Staatsoper Stuttgart

Das spektakuläre Konzert wurde eröffnet mit der Ouvertüre in d-Moll op. 49 von Dora Peljacevic, die als eine der bedeutendsten kroatischen Komponistinnen des frühen 20. Jahrhunderts galt. Ein spätromantischer Stil voller harmonischer Vielschichtigkeit feiert hier Triumphe. Motive und thematische Entwicklung gerieten bei dieser spannungsvollen Interpretation überaus eindrucksvoll. Der fulminante Tenor Charles Sy interpretierte dann die Arie des italienischen Sängers "Di rigori armato il seno" aus "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss. Mit strahlkräftigem Timbre blühten hier die Belcanto-Kantilenen zielsicher auf. Mozarts und Wagners Vobild blieb dabei immer spürbar. Maria Theresa Ullrich interpretierte dann das mit allerlei chromatischen Fallstricken nur so gespickte Lied "Der Abschied" von Hugo Wolf, wo einem Musikkritiker der Garaus gemacht wird. Mit weiter und in Intervallen geführter Melodik erinnerte der Walzer aus der Ballett-Suite Nr. 4 von Dmitri Schostakowitsch an den Dokumentarfilm "Das Lied der Ströme" aus dem Jahre 1954  über das Leben der Arbeiter. Natasha Te Rupe-Wilson (Sopran) sang die Arie der Musetta aus Giacomo Puccinis Oper "La Boheme" sehr filigran und auch verführerisch. Das Staatsorchester Stuttgart begleitete sie unter der inspirierenden Leitung von Lin Liao ausgesprochen einfühlsam und durchsichtig. 

Das Staatsorchester musizierte auch den dritten Scherzo-Satz aus der dritten Sinfonie in Es-Dur op. 55 "Eroica" von Ludwig van Beethoven mit unterdrückter Ausgelassenheit. In geheimnisvoller Dämmerung huschte er rasant dahin. "Heroisch" war dabei nichts mehr, es sei denn, man nehme die froh bewegte Jagdweise der Hörner im Trio noch als letzten Bezug auf den Untertitel dieser Sinfonie. Interessant war die Begegnung mit dem "Derwischtanz" aus der Oper "Atatürk" des libanesisch-polnischen Komponisten Bassem Akiki. Dieser ekstatische Tanz erinnerte das Publikum an die religiöse Praxis der Angehörigen einer muslimischen, asketischen Ordensgemeinschaft. Diese Oper wird übrigens am 10. April 2027 an der Staatsoper Stuttgart uraufgeführt. 

Mit vibrierenden Klangflächen, einer elegischen Melodielinie der Violine und flirrenden Streicherklängen sowie elektrisierenden Paukeneinsätzen wartete "Boxen!" für Pauke und Kammerorchester von Gordon Kampe auf. Mit zahlreichen dynamischen Kontrasten wurde hier ein facettenreicher orchestraler Klangfarbenreichtum geweckt. Das Stück stammt aus Kampes neuer Oper "Die drei ??? und das Spiegelkabinett", die am 20. Februar 2027 an der Stuttgarter Staatsoper uraufgeführt wird. Diese Geschichte ist von Martin G. Berger und Andre Marx und basiert auf den Charakteren Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus der beliebten Hörspielserie von Robert Arthur. Da ging wirklich die Post ab, weil Maria Theresa Ullrich per Video als Detektivin Clara Fall wie Miss Marple durchs Opernhaus rannte und mit dem Regisseur Axel Ranisch, dem Dirigenten Nicholas Carter, dem Intendanten Viktor Schoner sowie den weiteren Künstlern Martin Mutschler, Keith Bernard Stonum, Kai Kluge, Michael Nagl, Johannes Kammler sowie Elliot Carlton Hines intensive kriminalistische Gespräche führte, die es in sich hatten. Da erfuhr man dann, dass bei den "unheimlichen Geräuschen" im Opernhaus der gewitzte Intendant Viktor Schoner wohl seine Finger im Spiel hatte! 

Zuletzt folgte noch die Arie des Germont aus Giuseppe Verdis Oper "La traviata" mit dem Titel "Di Provenza il mor, il suol", wobei der feine Parlando-Ton genau getroffen wurde. Zum Abschluss wurde als pompöse Zugabe in grandioser Aufmachung "Brindisi" - ebenfalls aus Verdis "La traviata" - vom Ensemble stilsicher intoniert. 

Jubel und Riesenapplaus! 

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