Doch statt heroischer Abenteuer erlebt das Romanpersonal die alltäglichen Prüfungen des Lebens in einer urbanen, entfremdeten Welt. Diese Welt gleicht in ihrer Normalität – über alle Zeiten hinweg – auch der unseren. Auch die Begegnungen gleichen weniger den mythischen Herausforderungen der antiken Monster Skylla und Charybdis als vielmehr jenen, die auch unser Leben heute bestimmen. Dabei kämpfen sie nicht gegen Ungeheuer, sondern mit Themen wie Identität, Einsamkeit, Liebe, Sexualität und dem Sinn des Lebens.
Im Fokus stehen drei Figuren auf ihrem Weg durch Kassel: Stephen Dedalus, ein junger, intellektueller Künstler; Leopold Bloom, der sich den Tag denkend unter Fremden und Freund:innen in der Stadt vertreibt, statt das Gespräch mit seiner Frau zu suchen und der Andere, der immer wieder in neue Rollen schlüpft und damit die Geschichte in verschiedene Richtungen treibt. Molly Bloom entscheidet sich, zu Hause zu bleiben. Über ihre Schulter hinweg erleben wir eine männlich geprägte Welt – von der Antike bis heute. Zumindest bis zu dem Moment, in dem auch ihre Perspektive hörbar wird und auch sie den Raum bekommt, ihre Gedanken schweifen zu lassen und zuvor Gehörtem eine andere Richtung zu geben.
Ulysses, der Roman, der James Joyce berühmt machte, gilt als eines der großen literarischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts. Bei seiner Veröffentlichung wurde er als blasphemisch und pornografisch verdammt und bald in mehreren Ländern zensiert oder verboten. Virginia Woolfnannte ihn „den langweiligsten Roman der Welt“. Kurt Tucholsky verglich das Werk mit einem Maggi-Brühwürfel, der über Generationen hinweg mittelmäßig aufgebrüht werde.
Mit seiner Inszenierung bringt Bert Zander die radikal menschliche Erzählung des Ulysses in eine Form zwischen Theater und Film. Nach Krieg und Frieden und FaustGretchen entsteht so in seiner dritten Arbeit am Staatstheater Kassel eine neue Begegnung mit einem der großen Stoffe der Weltliteratur. Fragt man ihn, wie sich Handlung und Moral des Romans zusammenfassen lassen, zitiert Zander das letzte Wort des Ulysses: „Yes.“
In Kooperation mit dem Bierhimmel, der GRIMMWELTKassel, der Lolita Bar und der Universität Kassel – Landes- und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel.
- Regie: Bert Zander
- Bühne und Kostüme: Lene Schwind
- Mitarbeit Ausstattung: Louis Vincent Platzer
- Musik: Erik Veenstra
- Licht: Stefanie Franke
- Video: Bert Zander
- Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
- Dramaturgie: Laura Kohlmaier
- Produktionsleitung: Winnie Wilka
- Cam-Operator: Bert Zander
Mit: Katharina Brehl, Emilia Reichenbach, Justin Hibbeler, Günther Harder
Nächste Termine: Mi 1. Apr., 20:15 Uhr, Fr 10. Apr., 20:15 Uhr


