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STÜRMISCH UND ATEMLOS -- SWR Symphonieorchester unter Roth mit Rihm und Wagner in der Liederhalle STUTTGART

am 27.2.2026

ALEXANDER WALTHER 28.02.2026

Es ist eine kluge Idee gewesen, ein Werk von Wolfgang Rihm mit Richard Wagner zu kombinieren. Denn zwischen beiden Komponisten gibt es Bezugspunkte. Zunächst erklang die vom Markus-Dom in Venedig inspirierte Komposition "In-Schrift" für Orchester von Wolfgang Rihm. Mehrchörigkeit unterstreicht hier in geheimnisvoller Verklärung den Sakralbau des Gotteshauses, wobei der Glockenschlag in fis durch Mark und Bein geht.

Tiefe Blechbläser intonieren einen gigantischen Choral, der Rihms ungeheure dynamische Triebkraft offenbart. Das Wuchern der Ton- und Klangkonstellationen hat dabei etwas Eruptives und Erschreckendes, was Francois-Xavier Roth mit dem konzentriert agierenden SWR Symphonieorchester auch überzeugend herausarbeitet. Meditative Abschnitte kreuzen sich dabei mit delikat gewobenen Stimmungsbildern und einer Überzeugungskraft der Gestik. Schroffe Klangimpulse gewannen unter Roth etwas Naturhaft-Urwüchsiges, das mit dem anschließend folgenden ersten Akt von Richard Wagners "Walküre" in aufregender Weise korrespondierte. Choralmäßige Gesanglichkeit, lyrische Intensität und schattenhaft-bewegende Grenzklänge wechselten sich bei dieser gelungenen und spannungsvollen Wiedergabe in einfühlsamer Weise ab. 

Eine Überraschung war dann die ungewöhnlich explosive Interpretation von Richard Wagners erstem Aufzug zum Bühnenfestspiel "Die Walküre" aus dem Zyklus "Der Ring des Nibelungen". Da gewannen nämlich die Leitmotive dank dem präzisen Musizierstil des SWR Symphonieorchesters unter Francois-Xavier Roth eine ungewöhnliche Intensität und akustische Zauberkraft. Die Freisetzung der Affektenergien des Gewittersturms war geradezu aufregend. Monothematik und einheitliche Tonalität über dem Orgelpunkt prägten sich hier tief ein. So gewannen die gewaltigen Donner-Rufe in B-Dur, C-Dur und D-Dur eine starke Magie! Der elegische Klang der Streicher zeigte nach anfänglichem Zögern hier immer mehr Ausdruckskraft, wobei sich die Qualität der Legato-Bögen allmäglich steigerte. Gerade die leitthematische Verflechtung überzeugte bei dieser Interpretation am meisten. Gut herausgearbeitet wurde dabei auch Sieglindes Thema in aufsteigenden Terzen, das sich in berührender Weise mit dem Siegmund-Motiv verband. Die tragische Liebesgeschichte dieses Geschwisterpaars wurde dank der mit strahlkräftiger Höhe und leidenschaftlichem Timbre aufwartenen Johanni van Oostrum als Sieglinde und dem voluminösen Tenor Maximilian Schmitt als Siegmund sehr lebendig. Als stets eifersüchtiger Ehemann agierte der famose Bassist Mika Kares als Hunding, dessen drohende Gestalt rhythmisch kräftig akzentuiert wurde: "Heilig ist mein Herd: - heilig sei dir mein Haus!" Das Speer-Vertrags-Motiv wies deutlich auf Wotan als gemeinsamen Vater, als er die Ähnlichkeit zwischen dem Fremden und seiner Frau erkannte. Das Schwert leuchtete dann als Motiv des großen Gedankens aus dem "Rheingold" in der Basstrompete und der Oboe in geheimnisvoller Weise auf. Das Schwert-Motiv strahlte leuchtkräftig in der Trompete auf, strahlte immer heller, wobei das sich leidenschaftlich steigernde Streichertremolo sehr überzeugend intepretiert wurde und auch die Sänger ganz unmittelbar mitriss! Die fulminante Stretta konnte sich so sehr wirkungsvoll entfalten. 

Den "Bravo"-Rufen des Publikums folgte der berühmte "Walküren-Ritt": Bombastisch, aber nicht oberflächlich. 

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Herausgeber des Beitrags: theaterkompass.de

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