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Schweiz-Premiere: She She Pop und Sandbox Collective mit Wait to be seated in der KASERNE BASEL

am 9. und 10. April 2026, 20 Uhr

Nach vier Jahren kehrt das weitgereiste feministische Performancekollektiv She She Pop nach Basel zurück. Gemeinsam mit dem indischen Sandbox Collective erkunden sie die Gesetze der Gastfreundschaft.

© Richa Bhavanam

„Atithi Devobhava“ auf Sanskrit bedeutet „Der Gast gleicht einem Gott“. In Karnataka lautet ein bekannter Satz: „Die Tür ist offen, lieber Gast, tritt ein.“ Auf Deutsch fällt uns allerdings kein vergleichbar einladendes Sprichwort ein. Jenseits solcher grossen Gesten existiert im diplomatischen und transnationalen Kontext ein engmaschiges Netz von Regeln und Codes, in dem sich Gastgeber*innen und Gäste leicht verheddernEs garantiert einen Austausch, in dem wir einander zu Gastgeber*innen oder Gästen werden, und doch bleibt es voller Widersprüche: Nichts ist vollständig festgeschrieben, Vorgaben verändern sich mit Person, Ort, Zeit und Kontext. Und dennoch: Eine gute Gastgeberin wird gegen keine dieser ungeschriebenen Regeln verstossen. Aber wen schützen diese Gesetze eigentlich – und wovor? Was bleibt, wenn wir die Förmlichkeit hinter uns lassen? Was passiert, wenn Gender, »Race« und Kolonialgeschichte mit am Tisch sitzen? Was dürfen wir überhaupt voneinander verlangen – und wie sagen wir Nein? 

WAIT TO BE SEATED entwirft in einem entrückten Nirgendwo einen Parcours der Gastlichkeit mit Esstisch, rotem Teppich und Tanzfläche. Als zwei Gruppen nähern wir uns einander von entgegengesetzten Seiten - vorsichtig, aber unerbittlich - und begegnen uns schliesslich in der Mitte... 

Die Premiere fand im Dezember 2025 in Bangalore statt. Danach folgt eine europäische Tour in Zusammenarbeit mit Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Dresden Hellerau, Forum Freies Theater Düsseldorf, Mousonturm Frankfurt und Spring Festival Utrecht. 

Rahmenprogramm:
Publikumsgespräch nach der Show am 9.4.
Johanna Freiburg: Alles über She She Pop vor der Show am 10.4. um 18:00 
Tischgespräche vor der Show am 10.4. um 19:15

She She Pop
She She Pop sind ein in Berlin ansässiges feministisches Performance-Kollektiv, das in den 1990er-Jahren aus dem Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft hervorging.

Die Mitglieder verstehen sich als Autor*innen, Dramaturg*innen und Ausführende ihrer Bühnenhandlung. Das Einbeziehen der eigenen Autobiografie ist dabei vor allem Methode, nicht Zweck der Arbeit. She She Pop praktizieren eine Theaterform, die dem Experiment verpflichtet ist. Sie nutzen die Bühne als Ort der akuten Öffentlichkeit: Hier werden Entscheidungen getroffen, Gesprächsweisen und Gesellschaftssysteme ausprobiert, Sprech-Gesten und soziale Rituale einstudiert oder verworfen. She She Pop sehen ihre Aufgabe in der Suche nach den gesellschaftlichen Grenzen der Kommunikation – und in deren gezielter und kunstvoller Überschreitung im Schutzraum der Kunst. Das Theater wird zu einem Ort für utopische Kommunikation. Auch das Publikum erhält häufig eine besonder Funktion: Sämtliche Arbeiten von She She Pop sind auf ihre Weise Experimente oder Beweisführungen, die ohne Zeug:innenschaft ungültig würden.

Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und Elke Weber. Ehemalige Gruppenmitglieder sind Fanni Halmburger, Claude Jansen, Katharina Oberlik und Anja von Steht.

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