KUNST ALS EXIL ist ihrem Andenken gewidmet, ihren Biografien und Werken. Aber auch ihren Nachkommen: den Künstler*innen, die heute im Schweizer Exil leben und arbeiten. Inwiefern verbindet die Erfahrung des Exils über die Zeiten hinweg? Und wie beeinflusst sie das künstlerische Schaffen?
Nr. 1: BRECHT DAMALS UND HEUTE
Sa, 26. September 2026, 20.00 Uhr | Pfauen
Den Auftakt bildet Bertolt Brecht, dessen Name wie kaum ein anderer mit der Exilgeschichte des Schauspielhauses verbunden ist. 1933 aus Deutschland vertrieben, verarbeitete Brecht das Leben als Gast auf Zeit immer wieder in seinen Gedichten und Stücken. Mehrfach führte ihn sein Weg in die Schweiz, mit der ihn zeitlebens eine gegenseitig ambivalente Beziehung verband. Das Schauspielhaus brachte in diesen Jahren mehrere seiner Stücke zur Uraufführung, darunter «Mutter Courage und ihre Kinder» 1941 und «Herr Puntila und sein Knecht Matti» 1948.
Mit Brechts berühmtestem Stück, DIE DREIGROSCHENOPER, hat das Schauspielhaus seine Jubiläumsspielzeit eröffnet. Neun Tage nach der Premiere spricht die Regisseurin der Inszenierung und Co-Intendantin Pınar Karabulut mit Noah Willumsen, dem Leiter des Bertolt-Brecht-Archivs in Berlin, darüber, wie lebendig Brechts Erbe heute ist und was sein Theater einer Gegenwart zu sagen hat, die erneut von Flucht, Vertreibung und politischer Verunsicherung geprägt ist.
Der zweite Teil des Abends führt zurück in Brechts Schweizer Jahre. Gezeigt wird Bruno Molls Dokumentarfilm «Wer keinen Pass hat ist ein Hund – Bertolt Brecht und die Schweiz» (CH 2004). Anschliessend kommt der Schweizer Schriftsteller und Brechtforscher Werner Wüthrich zu Wort, der die Dreharbeiten seinerzeit beratend begleitet hat. Zwischen den beiden Teilen laden wir zu Apéro und Austausch ins Foyer ein.
Mit: Pınar Karabulut, Noah Willumsen, Werner Wüthrich
Moderation: Nina Rühmeier
Nr. 2: HEIMAT/HOME 2.0
So, 18. Oktober 2026, 18.00 Uhr | Pfauen
Was bedeutet Heimat, wenn Zugehörigkeit kein Zustand ist, sondern immer wieder neu verhandelt werden muss? Ausgangspunkt dieses Abends ist die Jubiläumsausgabe «heimat/home 2.0» des Magazins zwischentext. Daraus entsteht eine vielstimmige szenische Lesung, die persönliche Texte, kollektives Schreiben und performative Elemente miteinander verwebt. Hier sprechen jene, die heute die Exilgeschichte der Schweiz weiterschreiben, in ihren eigenen Worten.
Der Abend ist eine Kollaboration des zwischentext-kollektivs mit dem Zürcher Institut für Interreligiösen Dialog ZIID und dem Schauspielhaus Zürich. Er ist Teil der Schweizer Ausgabe von «heimaten», dem dezentralen Festival für plurale Demokratie des Hauses der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin.
Mit: Aina Rea Aliotta, Yazan Alkhalaf, Arzije Asani, Gebreeyesus Kiros Asfaw, Ana Branković, Chun Chen, Lorena Cipriano, Mërgim Gutaj, artan islamaj, Fatima Moumouni, Emilio Nasser, Oana Popa, Ralph Tharayil, Sarina Tharayil, Tolga Yalın und Îrfan Yildiz
Nr. 3: DIE BRILLE DES NASSIM NACHTGEIST
Mi, 21. Oktober 2026, 19.00 Uhr | Pfauen Kammer
Im Rahmen von ZÜRICH LIEST
Zürich, 1934: In der Pension Comi nimmt das russisch-jüdische Ehepaar Paksmann zahlreiche Geflüchtete auf, unter ihnen die junge deutsche Kommunistin Lisette. Hinter ihr verbirgt sich die Autorin selbst: Lotte Schwarz, die 1934 aus Hamburg nach Zürich emigrierte und in ihrem Roman das Emigrant*innenmilieu der Stadt aus nächster Nähe beschreibt. Ein literarisches Zeitdokument über den Alltag des Exils, über Solidarität, Enge und das Warten auf ein Danach, gelesen von Lorena Handschin und Henri Mertens.
Nr. 4: DIE KINDER AUS NUMMER 67
So, 25. Oktober 2026, 11.00 Uhr | Pfauen Kammer
Im Rahmen von ZÜRICH LIEST | Junges Schauspielhaus, Lesung ab 9 Jahren
Berlin zu Beginn der 1930er-Jahre: Not, Arbeitslosigkeit und der aufziehende Nationalsozialismus bestimmen den Alltag. Doch die Kinderbande aus dem Mietshaus Nr. 67 hält zusammen. Ensemblemitglied Lev Friedmann liest aus dem ersten Band von Lisa Tetzners berühmter Kinderbuchreihe, die die Autorin im Schweizer Exil geschrieben hat. Eine Matinee für Familien, die zeigt, dass Exilgeschichte auch Kindergeschichte ist.


