Ihr komplexes Wesen erscheint heute noch wie ein Vexierbild, das bei näherer Betrachtung immer wieder die Form ändert. Hingegen ihre theoretischen Gedanken zur Ausbreitung des Kapitalismus sowie ihre politische Vision erscheinen in Anbetracht des gegenwärtigen Zustandes der Erde und der weltweiten Aufrüstung glasklar und prophetisch.
Eine historisch so enorm aufgeladene Persönlichkeit auf der Bühne darstellen zu wollen, kann nur ein Versuch sein, sich ihren Ideen, Visionen und Gedanken zu nähern. Die kroatische Regisseurin Anica Tomić und die Autorin und Dramaturgin Jelena Kovačić versuchen gemeinsam mit dem Ensemble den Blick von Rosa Luxemburg einzufangen, um eine diskursiv-spielerische Auseinandersetzung zu ermöglichen. Die Frage ist also nicht, wie wir Rosa Luxemburg sehen, sondern was Rosa Luxemburg gesehen hatte.
Rosa Luxemburg wurde 1871 in der Provinz Zamość im heutigen Polen in einer jüdischen Familie geboren und im Alter von 47 Jahren während des Spartakusaufstandes in Berlin brutal ermordet. Erst Monate später hat man ihre Leiche geborgen und identifiziert. Ihre Mörder wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Dazwischen lag ein lebenslanger Kampf gegen Kapitalismus und Krieg, für einen demokratischen Sozialismus. Sie glaubte unerschütterlichen an eine Herrschaft durch das Volk. Für sie war Revolution das einzige Mittel, um die Ungleichheit zwischen Arbeiterklasse und der Bourgeoisie zu überwinden: „Revolution ist großartig, alles andere ist Quark!“ So kompromisslos und radikal, wie sie für soziale Gerechtigkeit kämpfte, lebte sie auch ihr Leben. Sie hatte dennoch – oder vielleicht gerade deshalb – eine sanfte und zutiefst humanistische Seite, denn sie glaubte an die Menschen. Die zahlreichen Briefe, die sie in den mehr als drei Jahren schrieb, die sie in Gefangenschaft verbrachte, zeugen davon, wie sehr sie Literatur, Oper und Theater liebte, wie sie sich mit Naturwissenschaften beschäftigte und die Umwelt sowie Tiere beobachtete.
- Regie Anica Tomić
- Bühne Mila Mazić
- Kostüme Drina Krlić
- Musik Nenad Kovačić
- Licht Marco Scherle
- Dramaturgie Jelena Kovačić, Sabrina Hofer
mit Naika Foroutan (Politik- und Sozialwissenschaftlerin, Leiterin des Deutschen Instituts für Migration und Integrationsforschung), Uwe Sonnenberg (Historiker, Rosa-Luxemburg-Stiftung) MODERATION André Mumot
Eine Veranstaltung der DT Kontext Gesprächsreihe Auf der Schotterpiste der Geschichte.

