Dazu gehört dann auch, dass Menschen mit Demenz alle Strophen eines Liedes mitsingen oder am Klavier ihre Krankheit vergessen können. Gleich zu Beginn überzeugten Arina Kinzikieieva (Klavier), Marie Patzelt und Niklas Born (Violine), Johann Keilbach (Viola) und Esther Steinmeier (Violoncello) beim dritten Scherzo-Satz aus dem Klavierquintett in g-Moll op. 57 von Dmitri Schostakowitsch. Dieses graziös-witzige Stück spielte virtuos mit in weiten Intervallen geführter Melodik, scharfer Harmonik und plötzlichen Modulationen, was die Interpreten sehr gut betonten. Marc Lanconner, Julian Fritzsch und Flavius Wagner interpretierten "Baiao de Gude" für drei Gitarren von Paulo Bellinati mit feingliedrigen Girlanden. Ausgezeichnet spielte Yushan Zhang (Harfe) die reizvollen "Variations sur un theme dans le style ancien" op. 30 von Carlos Salzedo, wo die fast majestätisch anmutenden Arabesken und Arpeggien den Zuhörer betörten.
Bei der klassizistischen Romanze für Fagott und Streichquintett op. 62 von Edward Elgar waren Nehir Eksi (Fagott), Niklas Born und Marie Patzelt (Violine), Johannes Keilbach (Viola) sowie Anna de Belsunce und Esther Steinmeier (Violoncello) ganz in ihrem Element. Mit leidenschaftlicher Emphase blühten die Themen hier immer wieder auf. Einen erfrischend-mitreissenden Eindruck gewann man auch vom Rondo in C-Dur aus dem Jahre 1850 für zwei Klaviere zu acht Händen von Bedrich Smetana mit Henrik von Wrochem, Athina Bardakou, Natasha Harper und Alienor Lamarca (Klavier), wobei die konzertanten Wirkungen hervorstachen. Ein Höhepunkt dieses gelungenen Konzerts mit vielen Stipendiaten war dann der "Liebeslieder-Walzer" op. 52 für Klavier zu vier Händen und Gesang von Johannes Brahms. Die heiteren und neckischen Lieder erfuhren eine exzellente und vor feurigem Temperament nur so sprühende Wiedergabe. "Nein, es ist nicht auszukommen mit den Leuten" begeisterte mit funkensprühenden Passagen, und auch der kontrapunktische Zauber der anderen Stücke kam nicht zu kurz. "Rede, Mädchen", "O die Frauen", "Die grüne Hopfenranke", "Am Donaustrande", "Nachtigall, sie singt so schön" oder "Es bebet das Gesträuche" begeisterten das Publikum aufgrund des melodischen Einfühlungsvermögens. Svitlana Sheludiakova und Magdalena Salmanowicz (Klavier) sowie Emma Erchinger, Peter Ermer, Yasmina Klingel, Lena Koepp, Aylin Lässle, Hannes Nedele, Sewon Oh, Amelie Thomae, Alba Valdivieso Passolas und Jas Wolfert (Gesang) erfassten die heitere Melancholie dieser Strophen überaus präzis und einfühlsam.
Zuletzt präsentierte das gesamte Ensemble noch ein Medley der schwedischen Popgruppe ABBA unter dem Titel "Thank you for the music" mit Hannes Nedele (Sologesang). Dieser Hit von Björn Ulvaeus und Benny Andersson riss das Publikum zu Jubelstürmen hin! Die beiden Moderatoren Julian Diepolder und Sonia Issler erwähnten Arthur Schopenhauer, der die Musik als Ausdruck des Willens bezeichnete und die Hingabe an den Klang lobte. Für Oliver Sacks sei die Demenz am Klavier verschwunden gewesen. Sie erinnerten aber auch an Dmitri Schostakowitschs gewaltige "Leningrader Sinfonie" Nr. 7 als Kampf gegen den Faschismus.
Für Yehudi Menuhin sei die Musik ein Grundrecht gewesen: "Die einzige Sprache, in der nicht gelogen werden kann".

