Auf dieser CD ist zunächst als Weltpremiere die Orchestersuite für Harmonika, Klavier und Kammerorchester von Wolf Kerschek zu hören, die von Konstantin Reinfeld (Harmonika), Benjamin Nuss (Klavier) sowie dem Detmolder Kammerorchester unter der Leitung von David Niemann einfühlsam interpretiert wird. Hier kommt die Form der Barocken Tanzsuite in inspirierender Weise ins Spiel. Jazz und Weltmusik haben dabei ebenfalls Pate gestanden. Die "Gyrating Gigue" erscheint hier als verspielter Tanz, der Zwölfachteltakt wechselt plötzlich in den Fünfzehnachteltakt im Stil der Osteuropäischen und Mittelamerikanischen Volkstänze. In der "Spooky Sarabande" erscheint ein langsamer Satz im Dreivierteltakt, der ein unheimliches Bild einer Barocken Tanzgesellschaft von Vampiren beschwört, deren Spiegelbild in den verzierten Spiegeln des Ballsaals nicht erscheint. In der "Courageous Courante" geht es dann in den Dschungel Südamerikas, wo es elektrisierende Rhythmen gibt, die einer Courante entsprechen. Der Jazz setzt sich bei der originellen "Amusing Allemande" durch. Immer wieder scheint das Motiv von "A Love Supreme" durch den eher märchenhaften Grundcharakter des Satzes. Die größte Überraschung bietet allerdings der letzte Satz "The last Waltz". Er erinnert an eine Coda und ist doch ein berührender Walzer.
Interessant ist auf dieser CD ebenso das Konzert für Harmonika, Klavier und Orchester von Benjamin Nuss, weil es in vielen Klangfarben schillert. Es entstand am Ende der Corona-Zeit und wurde im Sommer 2022 in Matsuyama in Japan vollendet. Hier ist es ebenfalls als Weltpremiere zu erleben. Die Mundharmonika soll hier noch stärker in die klassische Musik integriert werden, was durchaus gelungen ist. Eine melancholische Grundstimmung überwiegt. Energie, Licht und Zuversicht beherrschen dann den dritten Satz. Das Klavier spielt im ersten Satz zunächst die schönen, lyrischen Melodien, während die Mundharmonika die schweren und unruhigen Passagen übernimmt. Doch dies verändert sich dann im Laufe dieses ungewöhnlichen Satzes. Der zweite Satz kommt dann als melancholischer, aber nicht sentimentaler Walzer daher, der den Hörer unmittelbar berührt. Das Staccato, mit dem dieser zweite Satz endet, wird im dritten Satz furios aufgegriffen. Manches erinnert hier an Chopin. Das zweite Thema, das mit dem Horn beginnt, wirkt auf den Zuhörer befreiend. "Elevation" ist also ein Album spielerischer Möglichkeiten.
Empfehlung.


