Höhepunkt dieser Aufnahme ist die Symphonie Nr. 3 in c-Moll op. 78, die bekannte "Orgelsymphonie". Die Orgel ist hier tief mit dem symphonischen Gefüge verwoben. Der fulminante Organist Lukas Hasler nutzt dabei die Ausdrucksvielfalt des Instruments. Zwischenspiele, Pedaltöne und Registermixturen lassen die Orgel in einem glitzernd-funkelnden Licht erscheinen. Das ORF Radio Symphony Orchester Wien begleitet den Solisten unter der inspirierenden Leitung von Howard Griffiths sehr einfühlsam. Es kommt immer wieder zu fesselnden dynamischen Steigerungen und kraftvollen Ausbrüchen. Der strahlende C-Dur-Schluss gelingt in imponierender Weise.
Im Kontrast zur großen Geste der Symphonie ist auf dieser bemerkenswerten CD "Cypres et Lauriers" op. 156 für Orgel und Orchester von Camille Saint-Saens zu hören, das im Jahre 1919 unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs entstand. Dunkle, nach innen gekehrte Linien beherrschen den ersten Teil "Cypres". Seufzende Motive erwecken den Eindruck einer Trauerrede. Im zweiten Teil "Lauriers" verwandelt sich diese Klangsprache in eine festliche Huldigung. Fanfaren und unbändige rhythmische Energie münden in einen triumphalen Schluss. Der begabte Pianist Ariel Lanyi steht dann im Mittelpunkt des zweiten Teils. Zunächst widmet er sich dem einsätzigen Allegro appassionato in cis-Moll op. 70, wo Saint-Saens die Form des virtuosen Klavierkonzerts auf wenige Minuten verdichtet. Aus einem Dreitonmotiv entwickelt sich ein vorwärtsdrängender Sechsachtel-Satz, in dem sich lyrische Gesten und ein brillantes Figurenwerk in rasanter Weise ergänzen. Charaktere und Formen blitzen in reizvoller Weise hervor.
Die Rhapsodie d'Auvergne in C-Dur op. 73 ist eine facettenreiche Hommage an die Volksmusik der Auvergne, was der Pianist Ariel Lanyi in hervorragender Weise betont. Kantable Themen und tänzerische Episoden bilden eine poetische Einheit. Melodie Eingebung und sicheres Formgefühl verbinden sich hier eindrucksvoll. Innige Kantabilität sticht immer wieder in besonders erfrischener Weise hervor.
Das Ganze geht aber auch in die Tiefe, die Brillanz wirkt hier nie oberflächlich. Empfehlung!


